Da bin ich wieder!

21April2019

Hallo zusammen!


Da bin ich wieder. Zunächst erstmal muss ich mich entschuldigen, dass ich mich nun 3 Monate nicht meldet habe und diesen Blog entwas vernächlässigt habe. Das liegt aber keinesfalls daran, dass es mir nicht gut geht. Eher im Gegenteil. Ich liebe mein Leben hier in Guilleme und genieße jeden Tag. Deshalb kommt es auch, dass ich in den letzen Monaten kaum Zeit hatte all meine Erfahrungen aufzuschreiben und mit euch zu teilen. Nun komme ich aber endlich dazu und versuche die wichtigsten Ereignisse festzuhalten.


Fangen wir also ganz vorne an und zwar mit dem Start in den 2. Term. Dieser hat gut begonnen und ich habe mich schnell wieder eingefunden. Das Unterrichten macht mir nach wie vor sehr Spaß und die Themen in diesem Quartal waren sehr cool. Zu Beginn haben wir über Mannschaftssportarten geredet und waren anschließend auf dem nahegelegenen Sportplatz und haben Netball und Fußball gespielt (Netball ist in Malawi eine sehr populäre Ballsportart, die hauptsächlich von Mädchen und Frauen gespielt wird. Man kann es mit Korfball vergleichen.) Die Mädchen haben sich riesig gefreut eine Abwechslung von dem normalen Unterricht zu bekommen und haben am Ende, egal wer gewonnen oder verloren hat, in lauten Jubelgesängen und -tänzen über das gesamte Schulgelände ihre Freude zum Ausdruck gebracht.


Trotz des guten Starts in den Term habe ich gemerkt, dass ich teilweise sehr wenig zu tun habe. Vormittags in der Schule bereite ich meinen Unterricht vor und unterstütze die LehererInnen, indem ich Plakate zeichne oder Dokumente abtippe. Jedoch sitze ich auch oft nur herum und habe nichts zu tun. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass ich täglich nur eine Unterrichtsstunde je 35 min habe. Also habe ich versucht mir neue Aufgaben zu suchen. Ich gehe nun mit in andere Klassen , um neue Methoden kennenzu lernen und für meinen Unterricht zu übernehmen. In Standard 1 , in die ich öfters mitgehe, durfte ich schon teilweise mithelfen zu unterrichten und Hefte zu korrigieren. Das macht mir sehr Spaß und lässt nicht so viel Langeweile aufkommen.


Auch im Nachmittagsbereich gibt es nicht sehr viel für mich zu tun. Die Mädchen sind bis halb drei in der Schule und müssen anschließend lernen, wobei ich nur stören würde. Natürlich nutze ich die freie Zeit um anstehende Hausarbeiten zu erledigen, wie Kochen, Spülen, Waschen und Aufräumen. Jedoch habe ich mir noch eine weitere feste Aufgabe gewünscht. Also haben meine Mitfreiwillige und ich mit unserer verantwortlichen Schwester geredet, dass wir interessiert sind in der Mitarbeit im nahegelegenen Krankenhaus. Nach über einem Monat haben wir es endlich geschafft und durften Anfang Februar anfangen zwei mal die Woche am Nachmittag im Krankenhaus mitzuhelfen. Ich bin zur Zeit hauptsächlich in der Pharmazie, wo ich Medikamente abzähle und sortiere. Ich durfte aber auch schon die Patienten mit ihrer Krankheiten und Medikamenten in große Akten eintragen. Die Arbeit gefällt mir gut und ist mal etwas anderes zu meinen gewohnten Aufgaben. Außerdem lerne ich nochmal mehr Menschen kennen, weil man während der Arbeit viel Zeit hat mit den MitarbeiterInnen zu reden.


Neben dieser festen Aufgabe, habe ich einige Sachen zum Beispiel auf dem Boarding selber in die Hand genommen. Seit zwei Monat haben meine Mitfreiwillige und ich ein neues System auf dem Internat eingeführt. Jeden Morgen gehen wir durch die Schlafsäle und schauen, ob alles aufgeräumt und gewischt wurde. Wenn ein Dorm gut aussieht, bekommt er ein Smiley an die Wand geklebt. Wer am Ende eines Monats die meisten Smileys gesammlet hat, bekommt eine kleine Überraschung. Seitdem wir das machen, ist es schon deutlich sauberer geworden und nebenbei haben die Mädchen auch viel Spaß im Wettbewerb gegen die anderen Dorms aufzuräumen. Ende Februar konnte Canada-Dorm sich schon über die erste Überraschung freuen. Wir haben mit allen Mädchen des Dorms einen Film über einen Laptop geschaut.


Neben dem Boardingleben mit den Mädchen versuche ich auch immer viel Zeit außerhalb zu verbringen. Sei es jeden Tag den Gang zum Markt, wo ich immer viele Menschen treffe und mich mit ihnen unterhalte. Oder auch Zeit mit den Kindern aus dem Dorf. Letztens war ich mit ein paar Kindern an einem nahelegenen Gewässer angeln. Zunächst haben wir die Angel aus einem langen Stock, einem Faden und einem Angelhaken zusammen gebaut. Anschließend wurden die selbstgesuchten Würmer an dem Haken befestigt. Und dann hieß es nur noch Geduld haben. Leider haben wir mit unseren Angeln nichts gefangen. Ein paar Jungs haben aber mit alten Mückennetzten ein paar kleine Fische gefangen. Es war ein sehr schöner Tag, wobei ich nochmal gelernt habe, wie kreativ die Kinder sind.

Beim Angelzusammenbauen


Ende Januar habe ich meine Haare verändert. Eine Freundin hat mir auf dem Markt meine Haare in 5 Stunden Arbeit mit sogenanntem Mash (Kunsthaar) zu Braids eingeflochten. Teilweise hat es schon wehgetan, aber ich war zufrieden mit dem Ergebnis. Nach 2 ½ Wochen sind die die kleinen Zöpfchen langsam wieder rausgewachsen, sodass ich mich entschieden habe sie wieder rauszumachen. Zum Rausflechten bin ich einfach vor meine Haustür gegangen und habe gefragt, wer mir helfen möchte. Es hat nicht lange gedauert und plötzlich standen 15 Mädchen um meinen Kopf unf haben mir geholfen, die kleinen Zöpfe rauszuflechten.

Viele Hände schnelles Ende


Im Februar gab es eine Besonderheit auf dem Boarding. Und zwar stand ein großes Fest in Guilleme an. Am Samstag, den 23.02 wurde der Gründungstag der Kongregation der Sisters of Charity of Ottawa gefeiert. Zu diesem besonderen Fest kamen alle Schwestern der Kongregation aus ganz Malawi nach Guilleme. An diesem Tag gab es eine Messe, die von einem Chor und Tanzmädchen begleitet wurde. Aber natürlich nicht irgendein Chor. Über 3 Wochen übten jeden Tag eine Gruppe von 60 Mädchen vom Boarding Lieder für die Messe. Sehr oft bin ich dazu gegangen, sodass ich am Ende fast alle Lieder mitsingen konnte. Ein Tag vor dem Fest ging ich wieder zur Chorprobe der Mädchen. Dieses mal war schon ein großer Pavillion im Garten des Konvents aufgebaut. Und plötzlich waren meine Mitfreiwillige und ich mittendrin und sollten mitsingen und –tanzen. Und schließlich am Samstag stand das langersehnte und -vorbereitete Fest an. Am Morgen war auf dem Boarding richtige Feststimmung. Alle Chormädchen säuberte ihre Schuhe, kämmten sich die Haare und machten sich schick. Im Konvent bekamen dann alle Mädchen das gleiche Outfit: ein weißes T-shirt und einen selbgeschneiderten Rock aus einer Chitenje, die extra für die Schwestern designt wurde. Auch ich zog eine weiße Bluse an und bekam von den Schwestern ebenfalls diese besondere Chitenje. Als die Messe losging waren wir mittendrin im Chor und haben mitgesungen und getanzt. Es hat mir so viel Spaß gemacht mit den Mädchen zu singen. Mittags durften wir alle im Konvent mit den Schwestern zu Mittag essen, was auch sehr besonders für die Mädchen war, da sie sonst immer auf dem Boarding essen und es sogar Fleisch für alle gab.

Der Chor noch beim Proben

Die Mädchen in ihrem Choroutfit am Tag des Festes im Konvent
Nachmittags ging die Feier für die Schwestern intern weiter. Das ganze Dorf feierte außerhalb ebenfalls weiter. Auf dem Spielfeld in Guilleme wurden zwei große Spiele vorbereitet. Es fand ein Netball- und ein Fußballspiel zwischen unserer Schulmannschaft aus Guilleme und einer anderen Grundschule aus Lilongwe statt. Es war wirklich ein Außnahmezustand im ganzen Dorf. Der gesamte Sportplatz war voller Menschen und sogar alle Boarders( Kinder die auf dem Boarding leben) des Jungen- und Mädcheninternats durften das Gelände verlassen und sich ebenfalls die Spiele anschauen. Die Menschen und besonders Kinder haben gefeiert, gesungen und um den Sportplatz getanzt, egal wer gewonnen oder verloren hatte. Ich habe richtig gemerkt, wie gut es den Mädchen vom Boarding getan hat mal rauszukommen. Denn sonst darf keines der Mädchen das Internatsgelände verlassen, sodass es schonmal vorkommt, dass sie 3 Monate lang nur das Boardinggelände sehen. Alles in allem war es eine wunderschöner Festtag, wobei ich wieder gemerkt habe, wie gut ich von den Mädchen und den Schwetsern aufgenommen und integriert worden bin und wie wohl ich mich in meinem kleinen Dorf Guilleme fühle.

Beim Fußballspiel. Im Hintergrund ist das Dorf versammelt. Kinder jubeln und tanzen über den Sportplatz


Ein paar Tage nach der Feier ging es für mich schon los zum Zwischenseminar. Nach der Hälfte des Freiwilligendienstes gibt es ein Seminar, wo man sich mit anderen Freiwilligen trifft, um die letzten 6 Monate zu reflektieren und sich auszutauschen. Dieses Seminar fand in Carmel in der Nähe von Kasungu, nördlich von Guilleme, statt. Unsere Gruppe bestand aus uns 7 Freiwilligen von den Franziskanerinnen Salzkotten und einer Freiwilligen von den Sternsingern. Dazu kamen extra 2 Teamerinnen aus Deutschland nach Malawi geflogen, die wir schon aus der Vorbereitungszeit kennen. Eine Woche lang verbrachten wir zusammen an dem wunderschönen, ruhigen Ort, der direkt an einem kleinen Berg lag. Wir redeten viel über die letzten Monate, bekamen einen Vortrag über die entwicklungspolitische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Malawi und waren für einen Tagesausflug am Lake Malawi. Am Ende konnte ich mit vielen Ideen und neuer Motivation wieder zurück nach Guilleme fahren.


Obwohl es für meine Mitfreiwillige und mich nicht direkt nach Hause ging, sondern in einen spontanen Kurzurlaub. Wir bekamen von unserer Ansprechpartnerin aus Guilleme Bescheid, dass die folgende Woche sogenannte Mid-Term Holidays anstanden. Das bedeutete, dass alle Schülerinnen eine Woche Ferien hatten, sodass meine Mitfreiwillige und ich kurzer Hand entschieden weiter den Norden zu bereisen. Also ging es für uns ersteinmal in die drittgrößte Stadt Malawis nach Mzuzu. Jedoch blieben wir hier ersteinmal nicht, sondern fuhren direkt weiter zu einem wunderschönen Ort an den See, Nkhata Bay. Dort vebrachten wir 3 Tage in einer wirklich schönen Lodge direkt am Wasser, mit gutem Essen und netten Leuten. Danach ging es wieder nach Mzuzu, wo wir diesmal etwas mehr Zeit hatten und uns den Gemüsemarkt anschauten. Außerdem durfte der große Chitenjemarkt nicht fehlen, wo ich direkt wieder fündig geworden bin. Nach einer Nacht in Mzuzu ging es für uns beiden mit einem großen Bus wieder nach Lilongwe und danach nach HAUSE.

Nkhata Bay Chitenjemarkt in Mzuzu


Nach 2 ganzen Wochen, in denen ich nicht Zuhause war, hatte ich meine Mädchen schon ganz schön vermisst und freute mich riesig, als ich wieder auf das Boarding kam. Schon auf dem Weg ins Dorf haben uns viele Kinder voller Freude zugerufen und auch die Mädchen vom Boarding kamen stürmisch auf uns zugerannt, um uns zu begrüßen. Was ein wunderschönes Wilkommen.


Jetzt möchte ich auf eines meiner größten Highlights meines bisherigen Jahres eingehen. Mitte März hat sich spontan ergeben, dass mich meine Schwester Frieda hier in Guilleme besuchen kam. Sonntag abend fuhr ich in die Hauptstadt nach Lilongwe, um sie abzuholen. Freudig aufgeregt und mit zitternden Knien wartete ich auf ihre Ankunft und dann endlich nach 7 Monaten konnte ich sie wieder in meine Arme schließen. Es war ein wunderschöner Moment, den ich sehr genossen habe. Die Nacht verbrachten wir in Lilongwe und fuhren am nächsten Morgen nach Guilleme. Endlich konnte ich ihr alles in echt zeigen: das Boarding, den Markt, die Mädels und meine liebsten Menschen um mich herum. Die ganze Woche hatten wir Zeit zusammen, in der wir eine Fahrradtour in das nächste Dorf machten, gemeinsam in meinen Unterricht gingen, kochten, spielten, Spaziergänge machten und vieles mehr. Samstag nachmittag habe ich Frieda mit einem lachenden und einem weinenden Auge in Lilongwe verabschiedet. Diese intensive Zeit mit meiner Schwester hat mir viel Kraft gegeben und werde ich niemals vergessen.


Und dann hieß es auch schon wieder Vorbereiten auf die Examen. Dieses mal gab es noch etwas mehr Arbeit für uns, da wir die Examen für unsere Klassen selber stellen mussten. Nach vielen Stunden Tippen am Computer musste wir die Examen für alle Schülerinnen kopieren. Da es zwischenzeitlich Probleme mit unsere Kopierer gab, musste wir kurzer Hand zu der weiterführenden Schule rüber laufen und dort um die 2000 Kopien machen. Nachdem alle Examen mehr oder weniger rechtzeitig geschrieben wurden, ging es für uns an das Korrigieren. Die Ergebnisse meiner Stufe waren wieder erschreckend. Nur sehr wenige Schülerinnen habe die Examen bestanden. Das liegt wahrscheinlich an den mangelden Englischkenntnissen . Das Nicht-Bestehen hat in dem Ersten sowie in dem Zweiten Term noch nichts zu bedeuten. Erst die Noten nach den letzten Examen im Juli geben Ausschlag darüber, ob die Schülerin sitzen bleibt oder nicht.


Genau wie am Ende des ersten Terms gab es, dachdem alle Ergebnisse in die Klassenlisten eingetragen wurde, eine Versammlung aller Schülerinnen und LehrerInnen. Hier wurden wieder alle Schülerinnen aufgerufen, die die Examen bestanden haben. Anschließend gab es noch ein Schlusswort vom Schulleiter und die Schülerinnen wurden entlassen in die anstehende zweiwöchigen Osterferien. Danach ging alles wieder sehr schnell und innerhalb von 30 Minuten war die Schule und das Boarding wie leergefegt. Die nächsten zwei Tage waren sehr ruhig, sodass ich mich viel ausruhte und nach mehreren Monaten mal wieder auschlafen konnte. Und dann ging es für mich in meinen nächsten Urlaub. Was ich dort gemacht habe, berichte ich euch beim nächsten mal.


Jetzt bin ich wieder Zuhause und werde die Ostertage hier verbringen. Ich bin schon sehr gespannt, wie mein zweites, großes Fest hier abläuft.


In diesem Sinne wünsche ich euch allen Frohe Ostern und schöne Feiertage!


Bis bald- Tionana!
Eure Paula

 

 

MaZ-Jahr!?

13Feb2019

In diesem Blog möchte ich auf mein MaZ-Jahr eingehen. Manche fragen sich vielleicht:
Was beudeuted MaZ eigentlich? Und was hat das mit meinem Leben hier in Guilleme zu tun?


MaZ ist die Abkürzung für MissionarIn auf Zeit. Das MaZ-Programm gibt Jungen Menschen aus Deutschland die Möglichkeit in einem anderen Land das religiöse Leben mit zu leben. Das Motto heißt deshalb auch: mitleben, mitbeten, mitarbeiten. Die meisten Projekte sind an einen Schwestern-/Brüderorden angeschlossen, so wie bei mir auch. Die Schwestern, die hier in Guilleme leben und für mich verantwortlich sind, gehören zu dem Orden der 'Sisters of Chartity of Ottawa'. Zurzeit leben hier in dem Konvent 5 Ordensschwestern. 2 von ihnen arbeiten im Krankenhaus und 2 arbeiten gemeinsam mit mir in der Guilleme Girls Primary School. Außerdem ist meine hauptverantwortliche Schwester auch verantwortlich für das Boarding, sodass sie häufig auch hier auf dem Boarding-Gelände arbeitet und für Ordnung sorgt. Das Konvent ist nur ca. 1 Minute von unserem Haus entfernt, sodass ich immer die Möglichkeit habe, wenn es Probleme gibt, bei den Schwester und gleichzeitig auch meinen Ansprechpartnerinnen vorbeizuschauen.


Wie lebe ich hier das religiöse Leben mit?


Viele stellen sich ein Leben mit Schwestern sehr fromm und streng religiös vor, indem ich jeden Tag beten muss. Zunächst konnte ich mir auch noch nicht ganz vorstellen, wie es sein wird so nah mit einem Schwesternorden zusammen zu leben. Und als mir dann auch noch gesagt wurde, dass wir 3-mal die Woche zur Kirche gehen, war ich mir nicht sicher wie es für mich sein wird. Jetzt nach 6 Monaten kann ich aber sagen, dass ich mich daran gewöhnt habe und dass ich das Leben sehr nah am Glauben lieben gelernt habe.


Der erste Kirchgang in der Woche ist die Messe mittwochs, die nur für die Boarding-Mädchen ist. Jeden Dienstagnachmittag versammeln sich einige Mädchen auf dem Boarding zum Proben des Chores, weil die Messe musikalisch von den Mädchen geleitet wird. Oft gehe ich dazu und singe mit. Die Messe beginnt morgens um 6 Uhr vor der Schule. Sie geht ca. 30 min und ist komplett auf Chichewa. Die ersten 2 Monate habe ich wirklich gar nichts verstanden. Nach und nach verstehe ich aber immer mehr, besonders auch weil der Ablauf gleich ist zu den Messen in Deutschland. Kleine Gebetsteile, wie das ‚Vater unser‘ und das ‚Ave Maria‘ kann ich sogar schon fast auswendig. Zwei Mal durfte ich schon einen Text auf Chichewa in der Messe vorlesen.


Samstagsmorgens um 6:30 Uhr findet die Englische Messe statt, in der alle SchülerInnen der 3 Schulen aus Guilleme teilnehmen (Guilleme Girls Primary School, Guilleme Boys Primary School und St.Annes Secondary School). Auch hier gibt es einen Chor, der abwechselnd von den 3 Schulen gestaltet wird. Diese Messe genieße ich sehr, da ich noch mehr verstehe und viele Lieder auch mitsingen kann.


Die letzte Messe der Woche findet sonntags um 7 Uhr statt. Dort ist die Kirche komplett voll und alle Menschen aus Guilleme und den umliegenden Dörfern kommen. Die normalen Messen dauern ca. 2 Stunden. Wenn ein größeres Fest ansteht, wie z.B Taufen oder Feiertage, finden diese Messen meistens draußen statt, da in der Kirche nichtgenug Platz für alle Menschen ist. Diese Messen können bis zu 4 Stunden dauern. Da diese auch komplett auf Chichewa sind, fällt es mir gerade hier sehr schwer die ganze Zeit die Aufmerksamkeit zubehalten.


Schon seit meiner ersten Messe hier in Malawi bin ich total begeistert, wie die Menschen ihren Glauben feiern. Da es in jeder Messe einen Chor gibt, ist die Stimmung einfach toll und es ist total normal das man zwischendurch einfach aufsteht und anfängt zu tanzen. Auch bei der Kollekte, die in Deutschland ja eingesammelt wird, geht bzw. tanzt man die Gabe nach vorne. Was mich ebenfalls jeden Mal sehr freut ist, dass die Kirche (besonders sonntags) so voll ist, dass viele Kinder sogar auf dem Boden sitzen müssen. Es gehört einfach dazu und ist selbstverständlich, dass man sonntags in die Kirche geht.


Neben den Kirchengängen spielt der Glaube auch im Alltag eine große Rolle. Oft begegnet man Gebeten, z.B in der täglichen Morning Assembly, vor den wöchentlichen LehrerInnenversammlungen, vor dem Essen oder abends bei den Rundgängen durch die Dorms. Hier wird mir beim Verabschieden auch häufig noch zugerufen: „Dream about Jesus!“ oder „Mulungu akudalitseni“(Gott, segne dich!). Auch vor den Examen haben alle Mädchen ihre Stifte und Blöcke mit in die Kirche gebracht, um diese segnen zu lassen.

Ich finde es sehr schön zu sehen, wie tief der Glaube in den Menschen, besonders auch schon in den Kindern verankert ist und wie stark dieser untereinander verbindet. Gerade daher, dass der Glaube für mich hier jeden Tag präsent ist, habe ich die Gelegenheit mich noch intensiver mit meinem eigenen Glauben auseinanderzusetzen.
So, nun habt ihr einen kleinen Einblick bekommen, wie ich hier mitlebe, mitbete und mitarbeite.


Bis bald!
Eure Paula

Die Kirche hat zwei Seitenschiffe. Hier sieht man das Hauptschiff

PS: Weitere Bilder werden noch folgen.

Über Weihnachten und meinen ersten Urlaub!

08Jan2019

Khrisimasi yabwino- Frohe Weihnachten wünsche ich euch allen!
Bevor ich auf mein Weihnachtsfest eingehe, möchte ich zunächst von den letzten Wochen des 1. Schul-Terms berichten. In diesen hatten wir LehrerInnen sehr viel zu tun. Direkt nachdem die Examen von Standard 3-8 geschrieben wurden, haben wir diese korrigiert. Dort hat nicht nur jede/r LehrerIn sein eigenes Fach korrigiert, sondern jede/r hat jede/n unterstützt. Sodass ich im Nachhinein fast alle Fächer über Mathe, Englisch, Erdkunde, Bibelkenntnisse und natürlich Expressive Arts korrigiert habe (wobei ich zum Glück von Chichewa verschont geblieben bin). Neben dem manchmal sehr nervenaufreibendem Korrigieren, gab es jeden Tag ein Highlight für mich. Täglich gab es ein 'Kochteam' aus 3-4 Lehrerinnen, welches für das gesamte LehrerInnenkollegium gekocht hat. Zwei Mal durfte ich mithelfen, wobei ich beim Nsimakochen kläglich gescheitert bin. Nsima ist eine Art Maisbrei und das Hauptnahrungsmittel der MalawierInnen. Man bereitet es zu, indem man Wasser kocht und nach und nach Maismehl hinzufügt. Mit einem großen Holzlöffel rührt man so lange, bis eine klebrige,feste Masse entsteht. Das ist nur längst nicht so einfach, wie es sich anhört. Es braucht viel Übung, bis man die richtigen Bewegungen raushat. Vor allem in dem riesigen Topf für Nsima für 25 LehrerInnen ist es nicht einfach alles gut miteinender zu vermengen.


Nach der Woche der Examen und dem Korrigieren, ging es für mich in der letzten Schulwoche an das Erstellen der Punktetabellen. Denn alle Ergenbisse mussten in Stufenlisten eingetragen werden und für jede Schülerin ein 'Schoolreport', also eine Art Zeugnis, erstellt werden. Und schließlich am Donnerstag, den 13.12 wurde der erste Term mit den Verkündigungen der Resultate geschlossen. Die besten drei Schülerinnen jeder Stufe wurden aufgerufen und durften nach vorne kommen, um jedem/r LehrerIn die Hand zu schütteln und anschließend einen Lolli zu bekommen. Zwischen den Verkündigungen haben die Schülerinnen der Standard 8 traditionelle Tänze vorbereitet. Diese haben die etwas angespannte Atmosphäre aufgelockert. Mit Kostümen und Trommeln haben die Schülerinnen eine super 'Show' hingelegt. Die Stimmung während den Aufführungen war einfach unbeschreiblich. Viele Schülerinnen und einige LehrerInnn sind aufgesprungen und haben mitgetanzt. So etwas zu sehen, war für mich total neu, aber hat mich sehr beeindruckt.

Traditionelle Tanz: Ingoma Traditionelle Tanz: Gule wamkulu Bei der Notenvergabe
Als ich nach der Veranstaltung wieder auf das Boarding-Gelände zurück kam, kamen mir schon sehr viele Mädchen mit ihrem Gepäck entgegen. Ihre Familien sind gekommen und haben sie für die 3-wöchigen Weihnachtsferien abgeholt. Und plötzlich war es still auf dem Boarding. Für mich war es ein ganz komisches Gefühl, nun nach 3 Monaten wieder Ruhe vor der Haustür zu haben. Ich hatte mich inzwischen schon daran gewöhnt und war froh, dass noch zumindest die Mädchen aus Standard 8 auf dem Boarding waren. Sie hatten noch eine Woche länger Unterricht.


Bis Weihnachten waren dann noch 10 Tage, in den ich auch wieder viel erlebt habe. Ich besuchten mit den Priestern der Gemeinde das Priesterseminar in Katchebere, nicht weit von Guilleme entfernt. Das Gebäude ist sehr groß und wunderschön und liegt direkt am Fuß eines Berges. Anschließend war ich sogar für wenige Sekunden in Sambia, weil die Grenze nur ca. 45 min von Guilleme entfernt liegt.

Das wunderschöne Priesterseminar in Katchebere
Damit ein wenig Weihnachtsstimmung aufkam, haben ich Weihnachtsplätzchen und Kuchen mit den Schwestern gebacken. Da genau zu dem Zeitpunkt der Strom ausgefallen ist, haben wir veruscht über dem Feuer zu backen,wobei die Plätzchen leider sofort verbrannt sind. Außerdem war ich in der Hauptstadt, um die letzten Einkäufe vor Weihnachten zu erledigen und habe das Weihnachtskleid aus der nächst großen Stadt Mchinji angeholt.


Und plötzlich stand Weihnachten schon vor der Tür! Für mich war die Adventszeit total anders und so richtig in Weihnachtstsimmung bin ich nicht gekommen. Also konnte ich mir auch nicht so recht vorstellen, wie Weihnachten hier sein wird. Am 24.12 habe ich tagsüber das Haus und mein Zimmer aufgeräumt und geputzt. Eine Lehrerin hatte mich mit in die Kirche genommen,um dort für die große Messe am Abend zu schmücken. In diese bin ich dann mit meinem neuen Kleidern gegangen. Neben uns beiden deutschen Freiwilligen lebt hier in Guilleme noch eine amerikanische Freiwillige, die ebenfalls mit uns abends in die Kirche gegangen ist. Diese war gar nicht so voll wie erwartet, aber die Stimmung war einmalig. Vorne am Altar tanzten um die 40 Mädchen, alles war feierlich geschmückt und der Chor hat natürlich nicht gefehlt. Zwischendurch sind die Menschen einfach aufgestanden und haben laut mitgesungen-, getranzt und -geklatscht. Nach 'nur' 2 Stunden war die Messe auf schon vorbei. WIr haben den Schwestern 'Frohe Weihnachten' gewünscht und haben uns auf den Weg nach Hause gemacht. Erin, die amerikanische Freiwillige ist mitgekommen, sodass wir gemeinsam den Abend ausklingen lassen konnten.

Ein kleiner Schnappschuss von Heiligabend in der Kirche. Rechts in Grün der Chor. In der Mitte die Mädchen in ihren weißen Kleidchen.
Am 25.12 musste ich wieder früh aufstehen, weil die nächste Messe um 6 Uhr auf dem Plan stand. Und diese Messe hat meiner Meinung nach die Messe vom Vorabend noch mal übertroffen. Die Kirche war so voll, dass viele Menschen und besonders Kinder sich auf dem Boden setzten mussten. Der Weg nach vorne zum Altar zur Kommunion hat dementsprechend auch länger gedauert, weil man erstmal durch die Menschenmassen durchkommen musste. Für mich war die Atmosphäre etwas sehr besonderes. Zu sehen, wie viele Menschen aus den umliegenden Dörfern gekommen sind, umgemeinsam Weihnachten zu feiern, hat mich sehr beeindruckt und mir ein starkes Gemeinschaftsgefühl gegeben. Natürlich lief Weihnachten hier für mich ganz anders ab als gewohnt und teilweise habe ich schon das Weihnachtsfest in Deutschland vermisst. Aber alles in allem war es wunderschön und ich bin sehr froh diese Erfahrung hier in Guilleme gemacht haben zu dürfen.


Abends wartete noch ein weiteres Highlight auf mich. Wir wurden von den Schwestern zum Abendessen in das Konvent eingeladen. Dort gab es so viel leckeres Essen und auch hier war die Stimmung super, sodass unerwarteteter Weise am Ende sogar getanzt wurde. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht und in diesem Moment habe ich mich wirklich wie Zuhause gefühlt.

Den nächsten Vormittag verbrachten wir bei unseren 2 Mitfreiwilligen Hannah und Philine in Ludzi. Wir haben gemeisam gespielt, gekocht und viele geredet, was mir nochmal mehr das Gefühl von Zuhause gegeben hat. Mittags ging es für mich schon wieder zurück nach Guilleme, denn es stand eine weitere Weihnachtsaktion an. Die Schwestern haben alle Kinder bis 10 Jahre aus Guilleme und den umliegenden Dörfern in das Konvent eingeladen. Zunächst wurde etwas gesungen und kleine Theaterstücke aufgeführt. Anschließend hat jedes Kind ein paar Süßigkeiten und eine Limo bekommen. Beim Verteilen habe ich fleißig mitgeholfen, denn es kamen viel mehr Kinder als erwartet, sodass im Endeffekt ca. 250 Kinder mit einem glücklichem Gesicht nach Hause gegangen sind. Am Abend hieß es für mich dann nur noch packen und ab in den ersten Urlaub!

Kinder im Garten des Konvents Und es wurden immer mehr.. ..und mehr

Früh morgens am 27.12 ging es los. Der erste Stopp hieß Lilongwe, wo Victoria und ich auf unsere Mitfreiwilligen und Mitreisenden Timo und Jonas trafen und noch die letzten Besorgungen machten. Den 2. Bus nahmen wir in Richtung Süden Malawis, genauer gesagt nach Cape Maclear. Dies ist ein wunderschöner Ort, direkt am Lake Malawi(Malawisee). Auch unsere Unterkunft befand sich direkt am Stand. Zudem hatten wir super Wetter, sodass es ein richtiger 'Sommerulaub' wurde. Dieses Gefühl Ende Dezember zu haben, war teilweise schon merkwürdig, aber ich habe es sehr genossen. Wir haben unter anderem eine Bootstour gemacht, waren Schnorcheln und natürlich viel im See schwimmen. Da wir die Sonnen nicht so stark eingeschätzt haben, bekamen wir auch alle erstmal einen Sonnenbrand. Silvester verbrachten wir gemeisam. Und das komplett anders als im kalten Deutschland und zwar mit kurzen Hosen am Strand! Es war traumhaft schön und zwischendurch konnte ich es gar nicht wirklich realisieren, dass nun 2019 ist und ich diesen Jahreswechsel in Malawi verbringen durfte. An dieses Weihnachten und Silvester werde ich mich bestimmt noch lange zurück erinnern!

Der traumhafte Strand direkt vor unserer Unterkunft Beim Sonnenuntergang Bootstour Dort wurde sogar frisch für uns am Strand gekocht
Heute hat der 2. Term begonnen und die Mädchen trudeln nach und nach wieder auf dem Boarding ein. Ich freue mich schon sehr, wenn meine Aufgabe als Lehrein wieder beginnt und ich all 'meine' Mädels wieder sehe.
Ich wünsche euch allen einen wunderbaren Start in das Jahr 2019!


Tionana - Paula


PS: Dieses Jahr komme ich schon wieder;)

Neues aus Guilleme: der Beginn der Regenzeit und neue Aufgaben in der Schule

07Dez2018

Hallo ihr Lieben!
Nun habe ich mich schon lange nicht mehr gemeldet und in dem letzten Monat ist wieder viel passiert, woran ich euch teilhaben lassen möchte. Zudem ist ¼ meiner Zeit hier in Malawi schon um, was ich selber noch gar nicht wirklich glauben kann.


Zunächst erstmal zur Schule bzw. zum Unterrichten:


Beim Unterrichten in meiner Klasse bekomme ich ein immer besseres Gefühl und werde mit der Zeit sicher. Viele Namen der Mädchen kann ich sogar schon, obwohl es mir immer noch schwer fällt die 2 Marthas und 3 Grace auseinander zu halten :D Eine Sache, die mir aufgefallen ist und sich für mich als großes Problem herausstellt, sind die sehr unterschiedlichen Englischkenntnisse der Schülerinnen in meiner Klasse. Da die Klassen zum einen Teil aus Boarding-Kindern und zum anderen Teil aus den sogenannten „Dayschoolers“ (Kinder, die aus den umliegenden Dörfern täglich zur Schule kommen) bestehen, sind viele Kinder nicht auf demselben Stand. Zwar werden die Schülerinnen hier in den Grundschulen ab der 5 Klasse komplett auf English unterrichten, aber trotzdem merke ich, dass viele meiner Schülerinnen sehr wenig verstehen. Das macht es für mich zu einem Problem, da ich die Unterrichtsinhalte für alle verständlich vermitteln möchte und auch dafür verantwortlich bin, dass sie die Examen bestehen. Deshalb lasse ich mir seit ein paar Wochen im Vorhinein wichtige Wörter von den LehrerInnen auf Chichewa übersetzen, sodass ich sicher gehen kann, dass zumindest das Wichtigste verstanden wird. Zwischendurch helfen mir auch manche Schülerinnen als Dolmetscher und übersetzten im Unterricht einige Inhalte für mich. Im nächsten Term habe ich mir vorgenommen dieses Problem anzugehen und noch mehr Vokabeln übersetzten zu lassen und die Schülerinnen zu motivieren mit diesen Vokabeln zu beginnen, sodass nach und nach mehr Verständnis für die englische Sprache kommt.


Neben manchen sprachlichen Barrieren, bin ich aber zwischendurch immer wieder sehr überrascht und begeistert von ‚meinen‘ Mädchen, wie viel sie zu manchen Themen schon wissen und auch besonders bei den praktischen Teilen motiviert mitmachen. Gerade bei meinem letzten Thema habe ich bemerkt, wie selbstständig viele der Schülerinnen schon sind. Es ging um das Bauen eines Bath Shelters, eine Art Duschkabine, die aus Naturmaterialien konstruiert wird. Alle Materialien, die wir dafür gebraucht haben, wie z.B Bambus, hohes Gras und Holzstämme haben die Schülerinnen selber mitgebracht. Und auch beim Bauen, wo wir zum Glück große Unterstützung von einem Lehrer bekommen haben, haben die Mädels sehr selbstständig mitangepackt und wussten viel besser als ich, wie man am besten was zusammenbaut. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, weil der erste Bath Shelter viel zu unstabil war und wir somit nochmal von ganz neu beginnen mussten, haben wir schlussendlich den besten Bath Shelter in ganz Guilleme gebaut. Es hat viel Schweiß, Zeit und Arbeit gekostet, aber es hat mir und auch besonders den Mädchen viel Freude gemacht.

Bath Shelter no. 1 Bath Shelter no.2


Da die Guilleme Girls Primary School in dem letzten Monat eine neue Bücherei bekommen hat, habe ich ebenfalls weitere Aufgaben bekommen. Zum einen habe ich mithilfe von meiner Mitfreiwilligen alle Schilder der Schule neu angestrichen und ich bin immer noch dabei den Bücherraum der Schule auszusortieren und aufzuräumen. Diese Aufgaben sind eine gute Abwechslung zum normalen Schulalltag, in dem ich größtenteils viele Plakate male und zur Druck-Beauftragten geworden bin. Wenn der Strom gerade da ist, kommen die LehrerInnen meistens auf mich zu, damit ich ihnen die gewünschten Dokumente ausdrucken gehe.


Beim Streichen der Schulschilder

Apropos Strom: Die letzten Wochen habe ich meine bis jetzt längsten Blackouts erlebt, das heißt wir hatten für ca. 4/5 Tage keinen Strom und somit auch kein Wasser. Zudem ist die Wasserpumpe auf dem Boarding-Gelände seit einem Monat kaputt, sodass alle Mädels und wir zur Pumpe des angrenzenden Schulgeländes laufen müssen und Wasser in Eimern tragen müssen. Bei 360 Mädels bildete sich dort oftmals eine riesige Eimerschlange, sodass das Wasserholen auch mal länger dauern kann. Da viele MalawierInnen ihre Eimer oder sonstige Gegenstände mit Leichtigkeit auf dem Kopf transportieren können, zeigten uns die Mädels natürlich auch, wie wir unsere vollen Wassereimer auf dem Kopf tragen. Das führte schon des Öfteren zu großem Gelächter der Mädchen. Immerhin haben die Strom- und Wasserausfälle einen Vorteil: Nun kann ich (immerhin etwas besser als vorher) Wassereimer auf dem Kopf tragen! Außerdem habe ich den Strom ganz anders zu schätzen gelernt. Ich freue mich jedes Mal riesig, wenn ich das Geräusch des brummenden Kühlschranks höre und gleichzeitig draußen die Mädchen laut Jubeln und Schreien. Dann wird der Strom auch direkt genutzt: alle Geräte werden angeschlossen, Wasser abgekocht, Essen gekocht oder warm geduscht.

Wassertragen auf dem Kopf


Die abendlichen Rundgänge durch die Dorms genieße ich immer noch sehr und die Mädels haben mir schon das ein oder andere Chichewa-Lied beigebracht. Ich Gegenzug dazu bringe ich ihnen deutsche bzw. englische Lieder bei. Hin und wieder höre ich dann einige Mädchen diese Lieder singend übers Boarding laufen. Vor ca. 2. Wochen haben wir mit ein paar Mädchen bei uns im Innenhof das erste Mal Mandasis (frittiertes Hefegebäck) gebacken. Mit lauter Musik und Tanz ist es zu einem richtigen Event geworden und hat sehr viel Spaß gemacht. Generell merke ich, wie die Beziehung zu den Kindern immer enger wird und ich sie immer mehr in mein Herz schließe. Auch wenn es manchmal sehr anstrengend sein kann, wenn die Mädchen morgens um 4 Uhr aufstehen und ihr Aufgaben machen und ich eigentlich noch schlafen möchte. Dann aber wiederum sind sie so herzlich und voller Lebensfreude. Als ich letztens von einem Wochenendtrip aus Lilongwe wiederkam, wurde ich mit offenen Armen und den Worten ‚Munasowa!‘ (Ich habe dich vermisst!) empfangen. Gerade dann fühle ich mich schon richtig heimisch in meinem neuen Zuhause.

Mandasi-Essen in unserem Innenhof


Die langersehnte Regenzeit hat begonnen! Nach ein paar leichten Regenschauern, hat vor 2 Wochen der erste starke Regen und Gewitter angefangen. Die gesamten letzten Tage war es sehr bedecktes und es hat manchmal den ganzen Tag leicht geregnet. Und das erste Mal habe ich mich hier „kalt“ gefühlt, sodass ich morgens zur Schule sogar eine Jacke anziehen musste. Für die Menschen hier auf dem Dorf, die hauptsächlich von Landwirtschaft leben, hat das lange Warten endlich ein Ende und sie konnten ihre Felder bepflanzen. Sehr viele Menschen mit denen ich geredet habe, sei es LehrerInnen, MitarbeiterInnen des Krankenhauses oder Ärzte, besitzen meistens auch ein Stück Land, wo sie größtenteils Mais anpflanzen. Dieser wird nach der Ernte zum Eigenbedarf genutzt, aber auch auf dem Markt verkauft. Während der Regenzeit regnet es nicht den ganzen Tag durch. Es gibt auch Tage, an denen es sehr heiß ist und die Sonne scheint (wie momentan). Und dann gibt es zwischendurch wieder einen starken Schauer. Die Regenzeit hier in Malawi geht von ca. November bis ca. April, obwohl diese Angabe auch schwanken kann.

Der erste große Regen auf dem Boarding


Am Ende jedes Terms (vergleichbar zu einem Schulquartal, wobei das Schuljahr hier in drei Terme gegliedert ist) werden sogenannte Term-End Examen geschrieben, wo nochmal alle bearbeiteten Themen durch eine Klausur geprüft werden. Letzte Woche haben diese Examen der Mädchen angefangen, sodass ich zur Zeit nicht mehr unterrichte, sondern Examen abtippe und korrigiere. Am 14.12 ist der erste Term auch schon vorbei, die Boardingmädels werden von ihren Eltern abgeholt und die Vorbereitungen auf das Weihnachtsfest können beginnen. Wie ich Weihnachten dieses Jahr erleben werde, ohne das gewohnte Umfeld und frostigen Temperaturen, weiß ich noch nicht, aber bin schon sehr gespannt darauf. Außerdem wartet mein erster Urlaub nach Weihnachten auf mich, worauf ich mich auch schon sehr freue. Was für Erfahrungen ich dort machen werde, berichte ich dann im nächsten Eintrag.


Bis dahin wünsche ich euch allen eine wunderschöne Adventszeit- Tionana!
Paula


PS: Unsere WG hier in Guilleme hat sich vergrößert. Wir besitzen nun seit ca. 1 Monat eine kleine Babykatze namens Peace.

 

 

 

Die Schule hat angefangen!

14Okt2018

Ihr Lieben,

am 10.09.2018 fing hier an der Guilleme Girls Primary School die Schule an, dass hieß für mich, dass endlich meine Arbeit losgehen konnte. Bis ich aber das erste Mal alleine unterrichten durfte dauerte es noch etwas, da ich in der ersten Woche die Gelegenheit hatte bei dem Unterricht der anderen LehrerInnen zuzuschauen und zu sehen wie ein Alltag hier in der Schule abläuft.

Parallel zum Schulbeginn wurde es am Montag auf dem angrenzenden Boarding- Gelände immer voller und die ersten Mädchen trafen ein. Die Kinder, die von weiter herkommen, haben die Möglichkeit während der Schulzeit auf dem Boarding (Internat) zu leben und somit die Schule zu besuchen. Die Grundschulen in Malawi gehen von Standard (Klasse) 1-8. Auf dem Boarding leben jedoch nur die Schülerinnen der oberen Standards. Insgesamt sind es 360 Mädels, mit denen meine Einsatzstellenpartnerin Victoria und ich gemeinsam auf dem Internats-Gelände leben.

Die Waschstelle der Mädchen Rechts: Unser Haus Links: die Schlafsäle der Mädchen  Das Boardinggelände auf der rechten Seite die Essenshalle und geradeaus befindet sich das angrenzende Schulgelände Der wunderschöne Blick aus unserem Haus bei Sonnenuntergang Rechts: die Schlafsäle Links: Die Boarding-Küche

Aber nun zum Unterricht: Die erste Woche, in der ich im Unterricht zuschauen durfte, hat mir sehr geholfen einen groben Überblick zu bekommen, wie die Schule hier in Guilleme abläuft. Also konnte dann am 17.09 mein erster eigener Unterricht in der Standard 6A beginnen. Ich unterrichte die Schülerinnen (im Alter von 9 bis 13) in dem Fach Expressive Arts, welches die Themen Kunst, Kultur, Musik und Sport beinhaltet. Zunächst war ich ziemlich aufgeregt, dass erste Mal vor meiner Klasse von ca. 90 Kindern zu stehen und zudem war mein erstes Thema auch noch traditionelle Tänze aus Malawi, mit denen ich mich so gar nicht auskannte. Im Endeffekt war aber alles gar nicht so schlimm wie erwartet. Die Mädchen sind natürlich manchmal laut, aber auch sehr interessiert und aufmerksam und haben mir im Nachhinein mehr beigebracht als ich ihnen. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich die Möglichkeit habe auch so viel von den Mädchen und LehrerInnen zu lernen. Damit ihr euch vorstellen könnt, wie ein Schultag bei mir aussieht, erzähle ich euch nun, wie es hier abläuft:

Morgens um fünf vor 7 mache ich mich mit Victoria auf den Weg zum Schulgelände, welches direkt an das Boarding angrenzt, sodass ich weniger als eine Minute laufen muss. Im Lehrerzimmer angekommen, begrüße ich erstmal alle LehrerInnen. Um 7.15 Uhr fängt die Morning Assembly (morgendliche Versammlung) der Mädchen an. In dieser Versammlung, in der sich alle 1200 Schülerinnen in ihrer Uniform nach Klassen geordnet aufstellen, werden kleine Aufwärmübungen gemacht, gebetet und die Nationalhymne auf Englisch gesungen. Anschließend gehen alle Schülerinnen in die Klassen und der Unterricht kann beginnen. Zurück im Lehrerzimmer bereite ich meistens meinen Unterricht vor, zeichne Plakate für die LehrerInnen, tippe Dokumente ab und drucke sie aus oder unterhalte mich mit den LehrerInnen, was neben bei auch ein wenig mein Chichewa verbessert. Am Vormittag habe ich dann meistens meine 35-minütige Unterrichtstunde. Da das Fach Expressive Arts sehr vielfältig ist und oft auch viel Platz benötigt, gehe ich mit den Mädchen sehr gerne raus, um zu singen und zu tanzen. Das macht den Mädchen und mir immer am meisten Spaß und schafft zum normalen Alltag eine gute Abwechslung! Danach ist mein Schultag auch schon vorbei und ich mache mich auf meinen sehr kurzen Weg nach Hause.

Plakate malen im Lehrerzimmer Morning Assembly Standard 6A beim Stretching im Klassenraum Meine Klasse beim Tanzen draußen auf dem Schulgelände

Alles in allem bin ich sehr glücklich mit meinen Aufgaben in der Schule. Und auch das Leben auf dem Boarding ist wunderschön. Da das kleine Haus, in dem Victoria und ich leben, direkt auf dem Internatsgelände steht, sind wir mitten im Geschehen. Am Wochenende haben die Mädchen die Möglichkeit sich bei uns Spiele, Bücher und Bälle auszuleihen. Das Highlight an jedem Tag für mich ist aber der abendliche Rundgang durch die Dorms (Schlafräume). Wir singen, tanzen und `chatten‘ sehr viel mit den Mädchen, sodass der Gang durch die 6 Schlafräume auch mal bis zu 1 ½ Stunden dauern kann. Nachdem wir dann allen 360 Mädels ‚Gonani bwino‘ (‚Schlaft gut‘) gesagt haben, geht es auch für mich ins Bett. Und somit geht ein weiterer wunderschöner Tag in Guilleme zu Ende.

Abends beim Rundgang durch die Dorms der Mädchen

Nun zu einem anderen Ereignis, von dem ich euch berichten möchte: Am 03.Oktober wurden wir vom deutschen Botschafter in Malawi zum Tag der deutschen Einheit in die Hauptstadt Lilongwe eingeladen. Also machte ich mich mit meiner Mitfreiwilligen am Mittwochvormittag mit dem Minibus auf die ca. 2 stündige Fahrt nach Lilongwe. Abends um 18 Uhr kamen wir pünktlich am Haus des Botschafters an. Es war sehr ungewohnt für mich auf einmal wieder so viele Deutsche zu sehen und mit allen Deutsch zu sprechen, weil ich mich inzwischen schon an Chichewa/Englisch gewöhnt habe. Vor Ort trafen wir dann auch unsere Mitfreiwilligen aus Madisi und Ludzi und sehr viele junge Leute in unserem Alter, die auch zurzeit einen Freiwilligendienst in Malawi machen. Nach ein paar Reden und der malawischen und deutschen Nationalhymne wurde das Buffet eröffnet. Und ich war total überwältigt von all dem leckeren und vor allem deutschen Essen. Neben Currywurst, Schnitzel, Sauerkraut und Kartoffelsalat, habe ich mich besonders über das deutsche Brot gefreut. Nachdem ich gut gegessen hatte, habe ich viele schöne Gespräche geführt mit Deutschen, die unter anderem schon Jahrzehnte in Malawi leben und mit den anderen Freiwilligen. Mir hat der Abend sehr gut gefallen und bin glücklich die Chance gehabt zu haben, so viele neue Leute kennenzulernen.

Hannah, Philine und ich beim Botschafterfest am 3.Oktober Die große Gartenanlage, in der das Fest stattgefunden hat

Den nächsten Tag verbrachten Hannah, Philine, Victoria und ich noch in Lilongwe, um uns die Hauptstadt und deren schönen Märkte anzuschauen. Auf dem Markt, den wir besuchten, gab es sehr viel auf sehr engem Raum zu entdecken: riesige Wühltische mit Kleidung und Schuhen, ein großer Essens Bazaar, wo die Hühner direkt vor Ort geschlachtet wurde, Chitenjen, Elektrostände und noch vieles mehr. Direkt neben dem Markt war ein breiter Fluss, der vielseitig genutzt wird: zum Baden, Wäsche waschen und Schuhe putzen. Was mir auch aufgefallen ist, dass überall viel Müll, besonders Plastik rumliegt. Dieser wird nicht entsorgt, sondern verbannt, weshalb man öfters den Geruch von verbranntem Plastik in der Nase hat.

Sehr viel los auf dem Markt Der Fluss direkt neben dem Markt Im Vordergrund viel Müll, im Hintergrund ein Teil des rieisigen Marktes Der Schuhmarkt

Diesen großen Unterschied zwischen dem luxuriösen Abend beim Botschafter, wo es alles in Fülle gab und dem einfachen Leben ohne hohem Standard in der Stadt zu beobachten, hat mich sehr zum Denken angeregt. Und dabei merke ich auch, dass ich vieles in diesem Land noch nicht begreife. Ich bin aber sehr gespannt die vielseitigen Ecken Malawis, sei es die positiven oder eben auch die negativen, noch besser kennen zu lernen.

So, dass war es erstmal von mir. Wie ihr merkt, fühle ich mich inzwischen sehr wohl in unserem kleinen Haus hier in Guilleme. Und jeden Tag gibt es für mich etwas Neues zu erleben und zu entdecken, wovon ich euch dann das nächste Mal berichten werde.

Ganz liebe Grüße von mir und ein paar Kids aus dem Dorf

Ganz liebe Grüße aus Malawi (wo es übrigens immer wärmer wird!)

Tionana :D

Eure Paula

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