Ein Tag in meinem Leben

27Aug2019

Hallo ihr Lieben!

Diesen Blogeintrag wollte ich noch in Malawi veröffentlichen, habe es aber leider nie geschafft. Also dachte ich mir: Besser spät als nie! Und deshalb kommt nun ein verspäteter Blick aus meinem Alltag in Guilleme, an den ich immer noch sehr gerne zurückdenke. Viel Spaß beim Lesen!

6:06 Uhr Mein erster Wecker klingelt, aber ich habe noch ein bisschen Zeit zu dösen.

6:21 Uhr Mein letzter Wecker klingelt und ich quäle mich aus dem Bett, als alt bekannter Morgenmuffel. Dann gibt es den ersten Morgengruß an meine Mitfreiwillige und natürlich eine kleine Kuscheleinheit mir unserer Katze Peacy.

6:30 Uhr Allerhöchste Zeit mich anzuziehen und das Frühstück vorzubereiten. Morgens esse ich meistens Brot(hier gibt es ausschließlich Weißbrot) mit Erdnussbutter und Honig. Jeden Mittwoch nach der Messe um 6 Uhr mit allen Mädchen vom Boarding,wo ich dann auch entsprechend früher aufstehen muss, essen wir  ‚Phala ndi Mpunga‘(eine Art Milchreis), welches in der großen Boardingküche zubereitet wird.

6:56 Uhr Nun muss ich mich aber wirklich beeilen, um nicht nach 7 Uhr in der Schule zu sein. Denn am Anfang meiner Zeit wurde mir gesagt, dass alle LehrerInnen um 7 Uhr in der Schule erscheinen müssen. Nun nach dem Jahr kann ich aber sagen, dass sich 90% nicht daran halten, sodass meine Mitfreiwillige und ich meist einer der ersten sind, die in der Anwesenheitsliste eingetragen sind. Nun ja, also sind Victoria und ich mal wieder die ersten und somit einzigen im Staff Room (Lehrerzimmer) und warten bis die ersten LehrerInnen kommen.

7:15 Uhr Eigentlich sollte nun die Morning Assembly aller Schülerinnen beginnen, aber wie ich es schon gewohnt bin, lassen viele Schülerinnen und die LehrerInnen, die für die Assembly verantwortlich sind, noch auf sich warten. Stattdessen wird der Schulhof von den anwesenden Schülerinnen gesäubert. Jede Stufe hat seine eigene Aufgabe am Morgen, sodass die Schule orddentlich aussieht. Einige müssen Fegen, die Klassenräume putzen, Grünfläche Wässern oder die Toiletten Putzen. Wenn dann ein Mädchen auf die Metallschale schlägt, die als Schulglocke genutzt wird, beginnt die Morning Assembly, die ich mir jeden Morgen anschaue und darauf achte, dass alle Mädchen teilnehmen. Letzte Woche habe ich sogar auch einen Teil in der Morning Assembly geleitet und habe ein paar Aufwärmübungen mit den Schülerinnen gemacht, da es nun in der Cold Season morgens besonders kalt ist.

Morning Assembly- morgendliche Versammlung aller Schülerinnen

8:00 Uhr Nun kehrt etwas Ruhe ein und ich bin größtenteils im Staff Room, um zunächst meinen Unterricht vorzubereiten und anschließend LeherInnen beim Plakatezeichnen zu unterstützten oder was eben noch so ansteht. Wenn ich nicht so viel zu tun habe, gehe ich mit in die Unterrichte von anderen LehrerInnen oder unterrichte teilweise selber Standard 1. Das ist für mich nochmal eine andere Herausforderung vor 140 Mädchen im Alter von 6 Jahren zu stehen und Unterricht zu machen. Mit vielen Liedern und Tänzen, natürlich auf Chichewa, macht es mir aber riesigen Spaß und nebenbei lerne ich auch noch etwas Chichewa dazu.

Gegen 11 Uhr habe ich meistens meine 35 minütige Unterrichtsstunde in meine Standard 6A. Ich versuche so viel wie möglich Praktische Teile einfließen zu lassen, sodass den Schülerinnen nicht langweilig wird. Und nun zum Ende hin kann ich sagen, dass ich ‚meine‘ Schülerinnen richtig ins Herz geschlossen habe. Jedes Mädchen, sei es sehr extrovertiert, laut, verrückt, ruhig, zickig oder müde, hat seine Stärken. Da ich natürlich die Boarders noch näher kenne, war es für mich zunächst schwierig näher in den Kontakt mit den Dayschoolers zu kommen, die Mädchen, die aus dem Dorf kommen. Jedoch nun nach einer langen Zeit, habe ich auch ihre Stärken und Talente entdecken können, sodass gerade diese Schülerinnen mir eine große Hilfe sind, in den Praktischen Teilen. Als wir mit einer Art Blättern gewebt haben, hat sich eine Schülerin, die mir zu Anfang gar nicht auf gefallen ist, als ein richtiger Profi herausgestellt. Sie konnte wunderschöne Muster Flechten und Weben und konnte diese vielen Mitschülerinnen beibringen.

Tontöpfe formen mit meiner Klasse

12:00 Uhr It’s Time for lunch!- Es ist Zeit fürs Mittagessen. Mittags geht es oftmals für mich zunächst zum Markt, der nur ca. 3 Minuten Laufweg entfernt liegt. Dort kaufe ich frische Tomaten und Gemüse ein. Zuhause kochen und essen meine Mitfreiwillige und ich oft zusammen. Bis halb drei bleibt es auch noch ruhig auf dem Boarding, da alle Schülerinnen bis zu dieser Uhrzeit Unterricht haben. In diesere Zeit erledige ich anfallende Hausarbeiten oder ruhe mich aus.

14:00 Uhr Montags und Dienstag geht es für mich zu meiner 2. ‚Arbeitsstelle‘ : das Krankenhaus, genauer gesagt, die Pharmazie. Hier helfe ich gerne mit, beim Medikamente abzählen oder Verbände zuschneiden. Außerdem bekomme ich hier mal etwas Ruhe und Abstand von dem sonst sehr lautem Boardingleben.

In der Pharmazie

16:00 Uhr werde ich wieder von meinen lauten Mädchen in Empfang genommen, die oftmals mit mir quatschen wollen. Manchmal hole ich einen Ball dazu,sodass eine oder auch zwei Runden Ball gespeilt wird. Seit Anfang Juni haben meine Mitfreiwillige und ich angefangen zwei Schwestern Computerunterricht zu geben. Das funktioniert auch sehr gut, obwohl der einstündige Unterricht von 16:00 bis 17:00 Uhr oftmals aus einer halben Stunde Warten besteht. Naja, an die malawische Gelassenheit werde ich mich wohl nie ganz gewöhnen.

Jeden Dienstag findet die Chorprobe der Mädchen statt für den Gottesdienst am Mittwoch Morgen. Jede Woche abwechselnd singt ein anderer Dorm. Zu dem Chor gehe ich auch sehr gerne und konnte dadurch schon viele Lieder auf Chichewa lernen.

Chor der Mädchen

17:30 Uhr Zeit, um das Abendessen vorzubereiten, was hier in Malawi auch immer warm ist. Meistens erfolgt hier mein 2. Gang zum Markt. Manchmal kaufe ich auch nur eine Zwiebel ein, um Freunde und Leute auf dem Markt zu treffen. Denn, um diese Uhrzeit ist viel los und ich genieße die Zeit mit Freunden oder Schülerinnen zu reden und einfach Menschen zu begegnen.

18:00 Uhr Im Dunkeln geht es für mich zurück, um nun schnell zu kochen.

18:07 Uhr Es klopft an der Tür. Ein Mädchen: ‚Madam, kannst du mir ein Pflaster geben?‘

18:14 Uhr Es klopft erneut an der Tür. 5 Mädchen stehen vor der Tür: ‚Madam Paula, Kannst du mir eine Schere leihen?‘ ‚Ich brauche auch eine Schere!‘

18:21 Uhr Es klopft schon wieder an der Tür. Ich öffne die Tür und sage: ‚Ndikuphika tsopano! Ich koche gerade!‘ Ein Mädchen steht vor der Tür und möchte eine Dose geöffnet haben. Also kann ich auch hier den Kinderaugen nicht böse sein und öffne die Dose.

18:30 Uhr Endlich nach vielen Unterbrechungen kann gegessen werden.

18:45hr Ab unter die Dusche, Anziehen und bereit machen für den abendlichen Rundgang in die Schlafräume der Mädchen.

19:00 Uhr Auf geht es in die Dorms Charity, Canada, Eliza und Juville. Seitdem die 8ter Mädchen weg sind, geht der Rundgang deutlichst schneller und für mich fehlt ein Teil. Jeden Abend, wenn ich an den leeren Dorms Thoko und Mada vorbeilaufe, denke ich an meine Mädchen und vermisse sie schon jetzt.. In den Schlafräumen wird viel über alles mögliche geredet, kleine Spiele gespielt, gesungen, getanzt und am Ende gebetet.

21:00 Uhr Müde aber sehr glücklich komme ich nach Hause, putze mir meine Zähne und schlüpfe unter mein Moskitonetzt. Der abendliche Rundgang gehört für mich schon so zu meiner Routine dazu, dass ich mir sie gar nicht mehr wegdenken kann. So viel Liebe, wie die Mädchen mir jeden Tag aufs Neue geben, ist etwas Einmaliges und werde ich so schnell bestimmt nicht vergessen. Selbst das oftmals penetrante Klopfen zu allen Tageszeiten ist dann schnell vergessen, wenn die Mädchen mit einem großen Lachen vor der Tür stehen.

Am Wochenende läuft einiges nochmal anders ab. Samstag, sowie Sonntag gibt es leider auch kein Auschlafen für mich. Um 7 Uhr steht Gottesdienst auf dem Plan. Die vielen Kirchgänge sind für mich schon zur Routine geworden und gehören einfach mit zum Leben. Jedes Mal wenn ich die Kirche betrete, bin ich begeistert, wie sehr der Glaube hier zusammenschweißt. Ich habe die Kirche noch nie leer erlebt, geschweige denn ohne Kinder. Die Gottesdienste sind jedes Mal voller Leben und Freude, die Menschen tanzen und feiern ihren Glauben gemeinsam. Diese Momente in der Kirche sind für mich nicht mehr wegzudenken.

Große Außenmesse in Guilleme

Am Vormittag widme ich mich viel den Mädchen vom Boarding. Oftmals gibt es ‚Game-Time‘, wo sich die Mädchen Spiele ausleihen können. Nach ein paar Monaten haben wir ein System entwickelt, bei dem die Mädchen auf der einen Seite so viel Spielen können wie möglich, und wir auf der anderen Seite nicht die ganze Zeit bei unseren Tätigkeiten unterbrochen werden, durch das ständige Klopfen. Zu Beginn der Spielzeit wird ein sogenannter ‚Game Master‘ bestimmt, der Acht auf die Spiele gibt und dafür zuständig ist, dass nichts verloren geht. Das funktioniert sehr gut. Wenn es doch mal Probleme geben sollte, gibt es die ‚Black List‘ auf die die Mädchen geschrieben werden, die die Spiele nicht gut behandelt haben.

Bücher vorlesen während der 'Game-Time' mit den Mädchen

Sonst am Wochenende habe ich auch nochmal mehr die Gelegenheit meine Freundschaften außerhalb des Boardings zu stärken. Ich treffe mich mit Freunden aus dem Dorf, gehe zum Ground, wenn ein Fußball- oder Netballspiel ansteht, oder spiele mit den Dorfkindern. Wenn kein Ereignis ansteht, nutze ich die freie Zeit am Wochenende auch, um kleine Ausflüge zu machen. Samstagsmorgens machen meine Mitfreiwillige und ich oftmals eine kleine Fahrradtour in das  ca. 2,5 km entfernte Dorf ‚Tembwe‘. Hier gibt es günstigere Tomaten, schöne Chitenjen und die kleine Erfrischung, Softdrink darf auch nicht fehlen.

Wenn größere Einkäufe erledigt werden müssen, mache ich mich auf den Weg in die nächstgrößte Stadt Mchinji oder die Hauptstadt Lilongwe. Diese Ausflüge nutzen ich auch, um mich mit meinen Mitfreiwiligen aus den anderen Projekten zu treffen und mich über die letzten Ereignisse auszutauschen.

So, nachem ich oft abgeschwiffen bin, hoffe ich, dass ihr trotzdem einen kleinen Eindruck von meinem alltäglichen Leben bekommen habt.

Das war es nun von mir!

Ich wünsche euch allen einen schönen Tag und bis ganz bald!

Ich freue mich.

Tionana

Eure Paula

 

 

Mein Abenteuer in Malawi geht zu Ende

27Aug2019

Hallo ihr Lieben!

Nun bin ich schon drei Wochen wieder zurück in Deutschland. Und ich kann es immernoch nicht glauben, dass mein Freiwilligendienst nun zu Ende ist. Ich habe meine letzte Zeit in vollen Zügen genossen und denke noch sehr viel an mein 'Zuhause' in Guilleme. Im Anschluss habe ich meinen Abschlussbericht angehangen, wo ich nocheinmal von meinen letzten drei Monaten und besonders von dem Abschied berichte.

Nun möchte ich mich ganz herzlich bei euch allen bedanken. Ich habe während meines Jahres immer wieder viel Unterstützung erfahren, die mich sehr getragen hat. Darüber bin ich unendlich dankbar und bin sehr froh, dass ihr somit ein Teil meines Projektes und meines Lebens in Malawi geworden seid.

Zikomo kwambiri- Vielen Dank

Eure Paula

 

Abschlussbericht meines Freiwilligendienstes in Malawi

August 2019

Guilleme Girls Boarding Primary School, Guilleme/Malawi

Paula Kruse

Wie war dein Jahr in Malawi?

Wie kann ich diese Frage beantworten? Wie soll ich all meine Erfahrungen und Erlebnisse des gesamten letzten Jahres in einem Bericht zusammenfassen?

Ich versuche so gut wie möglich mein Erlebtes wieder zu geben, obwohl ich nicht annähernd wiedergeben kann, wie es in Wirklichkeit war. Nun schaue ich zunächst auf meine letzten drei Monate zurück. Diese Zeit verging für mich, wie im Flug, wahrscheinlich aus dem Grund, dass ich meinen Alltag und ich ein wunderbares Leben in Guilleme gefunden hatte.

Der dritte und letzte Term stand an. Dass hieß noch einmal alles geben und meine Klasse bestmöglichst auf die Endexamen vorzubereiten. Diese sind ausschlaggebend für die Versetzung der Schülerinnen in die nächste Stufe. Das freie und selbständige Arbeiten in der Schule und auf dem Boarding ist mir die letzten Monate nochmal besonders aufgefallen. Die Schwestern und besonders LehrerInnen haben ein großes Vertrauen in uns Freiwilligen entwickelt. So kam es des Öfteren vor, dass ich spontan die 1. Klasse vertreten sollte oder die 5. Klasse in der Wiederholungswoche unterrichten sollte. Rückblickend hätte ich mir diese Aufgaben in meinen ersten Monaten niemals zugetraut. Nun zum Ende hin fühlte ich mich sicherer und konnte spontane Aufgaben bewältigen und hatte viel Spaß dabei. Ich denke diese Sicherheit und das Selbstvertrauen habe ich während meiner Zeit als Lehrerin in Guilleme gelernt. Die anderen LehrerInnen haben mir stets zur Seite gestanden und mich ermutigt, Dinge einfach auszuprobieren, anstatt lange darüber nachzugrübeln, ob ich das schaffen kann. Diese Eigenschaft des spontanen, selbständigen Handels hat mir auch beim Unterrichten meiner eigenen Klasse geholfen. Im letzten Term fühlte ich mich viel sicherer vor meiner Klasse im Vergleich zu meinen ersten Monaten. Anfangs fühlte ich mich oftmals überfordert mit den 90 Schülerinnen. Nun kann ich aber sagen, dass ich meine eigene Art und Methoden entwickelt hatte, wie ich Kontrolle über alle Mädchen bekommen konnte.

Zu den Methoden gehörten unter anderem das Rundenlaufen um den Schulplatz, wenn mal ein Mädchen eingeschlafen war, um wieder Konzentration zu schaffen oder das Schreiben einer sogenannten ‚Noice-Maker-List‘, welche als Sanktionsmittel diente.

Meine Klasse: Standard 6A

 

Wie am Ende jedes Schulterms wurden die Endexamen geschrieben. Drei Wochen vor dem Beginn der Examen, fing die erste Arbeit für uns an. Die Examen mussten gestellt werden. Diesmal inhaltlich über das gesamte Schuljahr. Nachdem die ausgearbeiteten, handschriftlichen Examen mehr oder weniger pünktlich eingereicht wurden, konnten wir mit dem Abtippen beginnen. Dieses sollte in diesem Term schneller ablaufen, da meine Mitfreiwillige und ich den Druckerraum zu einem Computerraum umgebaut hatten. Neben den üblichen zwei Lehrern, die einen Laptop besaßen, meiner Mitfreiwilligen und mir, konnten nun weitere LehrerInnen an den drei Computern arbeiten und die Examen abtippen. Zum Ende mussten nur noch die Aufgabenpapiere kopiert werden und die letzten und somit wichtigsten Examen für die Mädchen standen an. Gerade in den letzten Wochen bemerkte ich eine ungewöhnlich angespannte und konzentrierte Stimmung auf dem Boarding. Die Lernzeiten der Schülerinnen wurden erhöht und meist spät bis in den Abend haben die Mädchen in der Schule gelernt. Nachdem die Prüfungen stattgefunden hatten, hieß es für uns wieder Korrigieren. Die Ergebnisse meiner Stufe, der Klasse 6, waren erneut sehr schlecht, sodass kurzer Hand beschlossen wurde, das Benotungssystem zu verändern. Der Schnitt der Punkte die zum Bestehen notwendig waren, wurden heruntergesetzt, so dass ca. 50% der Mädchen die Versetzung geschafft hatten.

Ein großes Ereignis fand Ende Mai statt: die Präsidentschaftswahlen. Schon Monate zuvor sah ich viele Menschen in Wahl-T-Shirts oder Kappen der drei großen Parteien herumlaufen. Zu den drei größten Parteien gehört die Partei des vorherigen Präsidenten Dr. Arthur Peter Mutharika, die Democratic Progressive Party (DPP). Neben dieser gibt es die Malawi Congress Party (MCP) mit deren Präsidentschaftskandidat Lazarus Chakwera und die 2018 gegründete Neupartei United Transformation Movement (UTM) mit dem Präsidentschaftskandidat Saulos Chilima. Aufgrund der anstehen Wahlen gab es zwischenzeitlich Unruhen in den großen Städten Malawis. Diese kamen zustande, da die Anhänger der jeweiligen Parteien Aufmerksamkeit für die Partei hervorrufen wollten. Im Lehrerzimmer gab es wochenlang ebenfalls keine anderen Themen mehr außer die Wahlen. Am Tag der Wahl wurden auf einem freien Platz in Guilleme Pappwahlkabinen aufgestellt und alle Menschen ab 18 Jahren konnten wählen gehen. Die Tage bis zur Bekanntmachung der Ergebnisse herrschte im Lehrerzimmer, als auch im Dorf eine angespannte Stimmung. Das Ergebnis zeigte, dass der ehemalige Präsident erneut gewählt wurde. Auf Grund der Ergebnisse gibt es in ganz Malawi große Demonstrationen, die sogar bis heute anhalten. Nun soll das Gericht entscheiden, ob Neuwahlen stattfinden sollen.

Ich persönlich habe in Guilleme niemanden erlebt, der demonstriert hat. Jedoch konnten meine Mitfreiwillige und ich auf Grund von großen Protesten in der Hauptstadt Lilongwe als auch in der größten Stadt Malawis Blantyre, unsere geplante Reise nach Blantyre nicht antreten.

Wegen der entfallenden Reise hatten meine Mitfreiwillige und ich jedoch die Möglichkeit, ein großes Fest in Guilleme mitzuerleben. Und zwar das Fronleichnamsfest.  Über 80% der MalawierInnen gehören dem Christentum an, sodass christliche Feste, besonders in Dörfern groß zelebriert werden. Das Fronleichnamsfest wurde schon Tage vor der Feier vorbereitet. Zum Beispiel die sogenannten Stella-Mädchen, Mädchen im Alter von 5 bis 10 Jahren, die große Gottesdienste mit Tänzen begleiten, liefen jeden Tag singend und tanzend durch das Dorf. Auch das Außengelände wurde für den Gottesdienst feierlich geschmückt, sodass am 23.Juni die große Messe starten konnte. Hunderte von Menschen versammelten sich auf dem Gelände, wo der Gottesdienst mit einem großen Chor gefeiert wurde. Nach der Messe fand auch wie in Deutschland eine Prozession statt. In kleinen eingeteilten Gruppen ging es los durch das Dorf, über den Markt bis vor die Kirche. So eine Art von Prozession habe ich aber noch nie erlebt und hat mich sehr beeindruckt. Die verschiedenen Gruppen, z.B die einzelnen umliegenden Dörfer, das Mädchen-/Jungeninternat, tanzten und sangen mit lauten Trommelschlägen. Da jede Gruppe unterschiedliche Lieder sang, wurde jeweils versucht die anderen Gruppen mit einer noch höheren Lautstärke zu übertreffen, sodass es mir eher wie eine laute, tosende Party vorkam, als nach einem Kirchenfest. Dieses große Fest hat mir sehr viel Freude gemacht und mir erneut gezeigt, dass man den Glauben auch laut und mit viel Lebensfreude feiern kann, wie ich es aus Deutschland nicht immer so kennengelernt habe.

Stella-Mädchen beim ÜbenDie große Fronleichnamsmesse

Gerade die letzten Wochen verbrachte ich viel Zeit in Guilleme, mit den Mädchen vom Boarding aber auch mit den LehrerInnen und FreundInnen aus dem Dorf. Das intensive Zeitverbringen mit den Menschen war auch schon ein Beginn meines eigenen, persönlichen Abschieds. Wie schon im 3. Bericht erwähnt, war und ist das Thema Abschied für ich mich sehr präsent, womit ich mich schon recht früh auseinandergesetzt habe. Ich habe die Abschiede zu all den liebgewonnen Menschen zwar nicht genau geplant, jedoch habe ich versucht, die letzte Zeit intensiv mit den Menschen zu verbringen, um für mich mit einem guten Gefühl gehen zu können. Besonders meine Beziehung zu den Mädchen auf dem Internat hat sich von Tag zu Tag gestärkt, sodass mir dieser Abschied am meisten graute. Aber auch aus dem Grund, dass ich weiß, dass ich mit den meisten Mädchen nicht den Kontakt halten kann.

Um ein paar Dinge, wie kleine Abschiedsgeschenke, haben meine Mitfreiwillige und ich uns sehr frühzeitig bemüht, worüber ich im Nachhinein auch sehr dankbar bin. Denn am Ende kam mir jede Stunde, die ich in Guilleme verbringen durfte so wertvoll vor, dass ich nicht nochmal gerne in die Hauptstadt gefahren wäre, um Geschenke zu besorgen.

Also verbrachte ich die letzten Wochen sehr intensiv, ich machte viele Bilder und nahm alltägliche Situationen nochmal bewusster war.

Schlangestehen vor der Internatsküche

Der erste Abschied eine Woche vor meinem Abflug stand von den Mädchen an. Denn nach der Ergebnisverkündigung der Examen wurden alle Mädchen vom Internat von ihren Eltern in die 7-wöchigen Ferien abgeholt. Da ich wusste, wie das Abholen von den Mädchen am Ende eines Terms abläuft, habe ich mich schon intensiv am Abend vor der Abreise von den Mädchen verabschiedet. Also ging am Tag der Abreise alles sehr schnell. Viele Mädchen konnte ich nicht mehr ‚Tschüss‘ sagen. Viele kamen aber nochmal auf mich zu und umarmten mich. Dabei konnte ich meine Gefühle auch nicht mehr zurückhalten. Dieses Gefühl geliebte Menschen gehen zu sehen, die ich wahrscheinlich nie wiedersehen werde, fiel mir unglaublich schwer. Bei diesen Gefühlen habe ich auch oft an meinen Abschied aus Deutschland gedacht. Auch dieser Abschied fiel mir nicht leicht, dabei wusste ich aber, dass ich all die Menschen nach einem Jahr wiedersehen werde. Also kann ich sagen, dass mir grundsätzlich der Abschied aus Malawi schwerer fiel.

Nachdem alle Mädchen gegangen waren, fühlte es sich sehr komisch an, alleine auf dem leeren Boarding zu bleiben. Viel Zeit zum traurig sein, blieb aber nicht. Denn die allerletzte Woche in Guilleme war voll durchstrukturiert. Meine Mitfreiwillige und ich machten einen Plan, wen wir noch alles besuchen wollten und was wir noch erledigen mussten. Wie schon die Wochen zuvor flogen meine letzten Tage nur so dahin. Jeden Tag gab es kleine Abschiede, sei es die Priester der Gemeinde, die LehrerInnen oder eben auch mein Tomatenhändler auf dem Markt.

Der letzte Abschied stand am Flughafen an. Und zwar von meinen Hauptansprechpartnerinnen den Schwestern, die während des gesamten Jahres für mich da waren und wie Mütter für mich geworden sind. Dieser fiel mir auch nicht leicht, wobei ich am Flughafen die Situation nicht realisieren konnte, dass mein Jahr in Malawi nun endgültig zu Ende ist. Es war für mich sehr unwirklich mein 2. Zuhause, in dem ich ein Jahr viele unglaublich schöne und auch herausfordernde Zeiten erlebt habe, zu verlassen.

  Gemeinsames Kochen zum Abschied mit einer Familie                   

Und auch heute in Deutschland kann ich meine Gefühle und Gedanken immer noch nicht ordnen. Ich würde sagen, grundsätzlich habe ich mich gut eingefunden. Auf der anderen Seite denke ich sehr viel an mein Leben in Guilleme und habe häufig ‚Heimweh‘. Ich frage mich oft, was meine FreundInnen in Malawi genau in der Situation machen oder wie es ihnen zurzeit geht.

Zuhause kam mir zunächst alles sehr komisch vor, nun wieder alle Möglichkeiten zu haben, mit dem Auto zu fahren, eine riesige Auswahl an Essen zu haben und mit kurzen Anziehsachen über die Straße zu laufen. Nach ein paar Tagen, war aber alles wieder wie immer. Mein Umfeld und meine Gewohnheiten. Wahrscheinlich auch, weil ich 18 Jahre meines Lebens hier gelebt habe. Jedoch habe ich nun ein Jahr in Malawi gelebt und habe mich innerlich verändert. Ich habe eine ganz andere Kultur erfahren und habe gelernt mit weniger Konsum zu leben.

In einem Monat wartet schon mein nächstes Abenteuer auf mich. Ich werde ab Anfang August in Münster Grundschullehramt studieren. Auch wenn ich mir zurzeit noch nicht vorstellen kann in wenigen Wochen mit meinem Studium zu beginnen, denke ich, dass es gut ist, eine neue Aufgabe und einen neuen Alltag zu bekommen.

Rückblickend auf das ganze Jahr kann ich sagen, dass ich in einem Jahr noch nie so viele Erlebnisse gemacht habe. Ich habe viele unglaubliche Menschen in mein Herz geschlossen, viele Situationen gesehen, die mich nachdenklich gemacht haben, viel über mich gelernt und so intensiv gelebt. Ich habe vieles getan, was ich mich vorher nicht getraut hätte, ich habe mit meine Mitfreiwillige, wie eine Schwester zusammengelebt und einmalige Erfahrungen gemacht. Ich durfte durch die Menschen in meinem Umfeld nicht nur lernen, wie ich z.B am besten meinen Unterricht gestalte, Lieder auf Chichewa singe oder Nsima koche, sondern viel mehr wie ich eigenständig im Leben klarkomme. Mir wurde beigebracht Verantwortung für mich selber, aber auch für mein Umfeld und besonders auf dem Internat zu übernehmen. Durch viele Gespräche auch mit einer Schwester, meiner Ansprechpartnerin, konnte ich viel zum Leben dazulernen. Ich habe Vergleiche nach Deutschland und meinem dortigen Leben gezogen und immer wieder feststellen dürfen, was für ein Privileg es ist hier geboren zu sein. Für dieses Geschenk, dass ich einen Freiwilligendienst in Malawi machen durfte, bin ich allen Menschen unendlich dankbar. Vor allem meiner Endsendeorganiastion, den Franziskanerinnen Salzkotten und auch der Partnerorganisation, den ‚Sisters of Charity of Ottawa‘, die während des gesamten Jahres immer für mich da waren. Ich bin mir sehr sicher, dass ich dieses Jahr noch lange in meinem Herzen behalten werde und auch mein weiteres Leben prägen wird.

 

Da bin ich wieder!

21April2019

Hallo zusammen!


Da bin ich wieder. Zunächst erstmal muss ich mich entschuldigen, dass ich mich nun 3 Monate nicht meldet habe und diesen Blog entwas vernächlässigt habe. Das liegt aber keinesfalls daran, dass es mir nicht gut geht. Eher im Gegenteil. Ich liebe mein Leben hier in Guilleme und genieße jeden Tag. Deshalb kommt es auch, dass ich in den letzen Monaten kaum Zeit hatte all meine Erfahrungen aufzuschreiben und mit euch zu teilen. Nun komme ich aber endlich dazu und versuche die wichtigsten Ereignisse festzuhalten.


Fangen wir also ganz vorne an und zwar mit dem Start in den 2. Term. Dieser hat gut begonnen und ich habe mich schnell wieder eingefunden. Das Unterrichten macht mir nach wie vor sehr Spaß und die Themen in diesem Quartal waren sehr cool. Zu Beginn haben wir über Mannschaftssportarten geredet und waren anschließend auf dem nahegelegenen Sportplatz und haben Netball und Fußball gespielt (Netball ist in Malawi eine sehr populäre Ballsportart, die hauptsächlich von Mädchen und Frauen gespielt wird. Man kann es mit Korfball vergleichen.) Die Mädchen haben sich riesig gefreut eine Abwechslung von dem normalen Unterricht zu bekommen und haben am Ende, egal wer gewonnen oder verloren hat, in lauten Jubelgesängen und -tänzen über das gesamte Schulgelände ihre Freude zum Ausdruck gebracht.


Trotz des guten Starts in den Term habe ich gemerkt, dass ich teilweise sehr wenig zu tun habe. Vormittags in der Schule bereite ich meinen Unterricht vor und unterstütze die LehererInnen, indem ich Plakate zeichne oder Dokumente abtippe. Jedoch sitze ich auch oft nur herum und habe nichts zu tun. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass ich täglich nur eine Unterrichtsstunde je 35 min habe. Also habe ich versucht mir neue Aufgaben zu suchen. Ich gehe nun mit in andere Klassen , um neue Methoden kennenzu lernen und für meinen Unterricht zu übernehmen. In Standard 1 , in die ich öfters mitgehe, durfte ich schon teilweise mithelfen zu unterrichten und Hefte zu korrigieren. Das macht mir sehr Spaß und lässt nicht so viel Langeweile aufkommen.


Auch im Nachmittagsbereich gibt es nicht sehr viel für mich zu tun. Die Mädchen sind bis halb drei in der Schule und müssen anschließend lernen, wobei ich nur stören würde. Natürlich nutze ich die freie Zeit um anstehende Hausarbeiten zu erledigen, wie Kochen, Spülen, Waschen und Aufräumen. Jedoch habe ich mir noch eine weitere feste Aufgabe gewünscht. Also haben meine Mitfreiwillige und ich mit unserer verantwortlichen Schwester geredet, dass wir interessiert sind in der Mitarbeit im nahegelegenen Krankenhaus. Nach über einem Monat haben wir es endlich geschafft und durften Anfang Februar anfangen zwei mal die Woche am Nachmittag im Krankenhaus mitzuhelfen. Ich bin zur Zeit hauptsächlich in der Pharmazie, wo ich Medikamente abzähle und sortiere. Ich durfte aber auch schon die Patienten mit ihrer Krankheiten und Medikamenten in große Akten eintragen. Die Arbeit gefällt mir gut und ist mal etwas anderes zu meinen gewohnten Aufgaben. Außerdem lerne ich nochmal mehr Menschen kennen, weil man während der Arbeit viel Zeit hat mit den MitarbeiterInnen zu reden.


Neben dieser festen Aufgabe, habe ich einige Sachen zum Beispiel auf dem Boarding selber in die Hand genommen. Seit zwei Monat haben meine Mitfreiwillige und ich ein neues System auf dem Internat eingeführt. Jeden Morgen gehen wir durch die Schlafsäle und schauen, ob alles aufgeräumt und gewischt wurde. Wenn ein Dorm gut aussieht, bekommt er ein Smiley an die Wand geklebt. Wer am Ende eines Monats die meisten Smileys gesammlet hat, bekommt eine kleine Überraschung. Seitdem wir das machen, ist es schon deutlich sauberer geworden und nebenbei haben die Mädchen auch viel Spaß im Wettbewerb gegen die anderen Dorms aufzuräumen. Ende Februar konnte Canada-Dorm sich schon über die erste Überraschung freuen. Wir haben mit allen Mädchen des Dorms einen Film über einen Laptop geschaut.

Smileyvergabe in Canada-Dorm Der Schlafsaal


Neben dem Boardingleben mit den Mädchen versuche ich auch immer viel Zeit außerhalb zu verbringen. Sei es jeden Tag den Gang zum Markt, wo ich immer viele Menschen treffe und mich mit ihnen unterhalte. Oder auch Zeit mit den Kindern aus dem Dorf. Letztens war ich mit ein paar Kindern an einem nahelegenen Gewässer angeln. Zunächst haben wir die Angel aus einem langen Stock, einem Faden und einem Angelhaken zusammen gebaut. Anschließend wurden die selbstgesuchten Würmer an dem Haken befestigt. Und dann hieß es nur noch Geduld haben. Leider haben wir mit unseren Angeln nichts gefangen. Ein paar Jungs haben aber mit alten Mückennetzten ein paar kleine Fische gefangen. Es war ein sehr schöner Tag, wobei ich nochmal gelernt habe, wie kreativ die Kinder sind.

Beim Angelzusammenbauen


Ende Januar habe ich meine Haare verändert. Eine Freundin hat mir auf dem Markt meine Haare in 5 Stunden Arbeit mit sogenanntem Mash (Kunsthaar) zu Braids eingeflochten. Teilweise hat es schon wehgetan, aber ich war zufrieden mit dem Ergebnis. Nach 2 ½ Wochen sind die die kleinen Zöpfchen langsam wieder rausgewachsen, sodass ich mich entschieden habe sie wieder rauszumachen. Zum Rausflechten bin ich einfach vor meine Haustür gegangen und habe gefragt, wer mir helfen möchte. Es hat nicht lange gedauert und plötzlich standen 15 Mädchen um meinen Kopf unf haben mir geholfen, die kleinen Zöpfe rauszuflechten.

Viele Hände schnelles Ende


Im Februar gab es eine Besonderheit auf dem Boarding. Und zwar stand ein großes Fest in Guilleme an. Am Samstag, den 23.02 wurde der Gründungstag der Kongregation der Sisters of Charity of Ottawa gefeiert. Zu diesem besonderen Fest kamen alle Schwestern der Kongregation aus ganz Malawi nach Guilleme. An diesem Tag gab es eine Messe, die von einem Chor und Tanzmädchen begleitet wurde. Aber natürlich nicht irgendein Chor. Über 3 Wochen übten jeden Tag eine Gruppe von 60 Mädchen vom Boarding Lieder für die Messe. Sehr oft bin ich dazu gegangen, sodass ich am Ende fast alle Lieder mitsingen konnte. Ein Tag vor dem Fest ging ich wieder zur Chorprobe der Mädchen. Dieses mal war schon ein großer Pavillion im Garten des Konvents aufgebaut. Und plötzlich waren meine Mitfreiwillige und ich mittendrin und sollten mitsingen und –tanzen. Und schließlich am Samstag stand das langersehnte und -vorbereitete Fest an. Am Morgen war auf dem Boarding richtige Feststimmung. Alle Chormädchen säuberte ihre Schuhe, kämmten sich die Haare und machten sich schick. Im Konvent bekamen dann alle Mädchen das gleiche Outfit: ein weißes T-shirt und einen selbgeschneiderten Rock aus einer Chitenje, die extra für die Schwestern designt wurde. Auch ich zog eine weiße Bluse an und bekam von den Schwestern ebenfalls diese besondere Chitenje. Als die Messe losging waren wir mittendrin im Chor und haben mitgesungen und getanzt. Es hat mir so viel Spaß gemacht mit den Mädchen zu singen. Mittags durften wir alle im Konvent mit den Schwestern zu Mittag essen, was auch sehr besonders für die Mädchen war, da sie sonst immer auf dem Boarding essen und es sogar Fleisch für alle gab.

Der Chor noch beim Proben

Die Mädchen in ihrem Choroutfit am Tag des Festes im Konvent
Nachmittags ging die Feier für die Schwestern intern weiter. Das ganze Dorf feierte außerhalb ebenfalls weiter. Auf dem Spielfeld in Guilleme wurden zwei große Spiele vorbereitet. Es fand ein Netball- und ein Fußballspiel zwischen unserer Schulmannschaft aus Guilleme und einer anderen Grundschule aus Lilongwe statt. Es war wirklich ein Außnahmezustand im ganzen Dorf. Der gesamte Sportplatz war voller Menschen und sogar alle Boarders( Kinder die auf dem Boarding leben) des Jungen- und Mädcheninternats durften das Gelände verlassen und sich ebenfalls die Spiele anschauen. Die Menschen und besonders Kinder haben gefeiert, gesungen und um den Sportplatz getanzt, egal wer gewonnen oder verloren hatte. Ich habe richtig gemerkt, wie gut es den Mädchen vom Boarding getan hat mal rauszukommen. Denn sonst darf keines der Mädchen das Internatsgelände verlassen, sodass es schonmal vorkommt, dass sie 3 Monate lang nur das Boardinggelände sehen. Alles in allem war es eine wunderschöner Festtag, wobei ich wieder gemerkt habe, wie gut ich von den Mädchen und den Schwetsern aufgenommen und integriert worden bin und wie wohl ich mich in meinem kleinen Dorf Guilleme fühle.

Beim Fußballspiel. Im Hintergrund ist das Dorf versammelt. Kinder jubeln und tanzen über den Sportplatz


Ein paar Tage nach der Feier ging es für mich schon los zum Zwischenseminar. Nach der Hälfte des Freiwilligendienstes gibt es ein Seminar, wo man sich mit anderen Freiwilligen trifft, um die letzten 6 Monate zu reflektieren und sich auszutauschen. Dieses Seminar fand in Carmel in der Nähe von Kasungu, nördlich von Guilleme, statt. Unsere Gruppe bestand aus uns 7 Freiwilligen von den Franziskanerinnen Salzkotten und einer Freiwilligen von den Sternsingern. Dazu kamen extra 2 Teamerinnen aus Deutschland nach Malawi geflogen, die wir schon aus der Vorbereitungszeit kennen. Eine Woche lang verbrachten wir zusammen an dem wunderschönen, ruhigen Ort, der direkt an einem kleinen Berg lag. Wir redeten viel über die letzten Monate, bekamen einen Vortrag über die entwicklungspolitische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Malawi und waren für einen Tagesausflug am Lake Malawi. Am Ende konnte ich mit vielen Ideen und neuer Motivation wieder zurück nach Guilleme fahren.


Obwohl es für meine Mitfreiwillige und mich nicht direkt nach Hause ging, sondern in einen spontanen Kurzurlaub. Wir bekamen von unserer Ansprechpartnerin aus Guilleme Bescheid, dass die folgende Woche sogenannte Mid-Term Holidays anstanden. Das bedeutete, dass alle Schülerinnen eine Woche Ferien hatten, sodass meine Mitfreiwillige und ich kurzer Hand entschieden weiter den Norden zu bereisen. Also ging es für uns ersteinmal in die drittgrößte Stadt Malawis nach Mzuzu. Jedoch blieben wir hier ersteinmal nicht, sondern fuhren direkt weiter zu einem wunderschönen Ort an den See, Nkhata Bay. Dort vebrachten wir 3 Tage in einer wirklich schönen Lodge direkt am Wasser, mit gutem Essen und netten Leuten. Danach ging es wieder nach Mzuzu, wo wir diesmal etwas mehr Zeit hatten und uns den Gemüsemarkt anschauten. Außerdem durfte der große Chitenjemarkt nicht fehlen, wo ich direkt wieder fündig geworden bin. Nach einer Nacht in Mzuzu ging es für uns beiden mit einem großen Bus wieder nach Lilongwe und danach nach HAUSE.

Nkhata Bay Chitenjemarkt in Mzuzu


Nach 2 ganzen Wochen, in denen ich nicht Zuhause war, hatte ich meine Mädchen schon ganz schön vermisst und freute mich riesig, als ich wieder auf das Boarding kam. Schon auf dem Weg ins Dorf haben uns viele Kinder voller Freude zugerufen und auch die Mädchen vom Boarding kamen stürmisch auf uns zugerannt, um uns zu begrüßen. Was ein wunderschönes Willkommen.


Jetzt möchte ich auf eines meiner größten Highlights meines bisherigen Jahres eingehen. Mitte März hat sich spontan ergeben, dass mich meine Schwester Frieda hier in Guilleme besuchen kam. Sonntag abend fuhr ich in die Hauptstadt nach Lilongwe, um sie abzuholen. Freudig aufgeregt und mit zitternden Knien wartete ich auf ihre Ankunft und dann endlich nach 7 Monaten konnte ich sie wieder in meine Arme schließen. Es war ein wunderschöner Moment, den ich sehr genossen habe. Die Nacht verbrachten wir in Lilongwe und fuhren am nächsten Morgen nach Guilleme. Endlich konnte ich ihr alles in echt zeigen: das Boarding, den Markt, die Mädels und meine liebsten Menschen um mich herum. Die ganze Woche hatten wir Zeit zusammen, in der wir eine Fahrradtour in das nächste Dorf machten, gemeinsam in meinen Unterricht gingen, kochten, spielten, Spaziergänge machten und vieles mehr. Samstag nachmittag habe ich Frieda mit einem lachenden und einem weinenden Auge in Lilongwe verabschiedet. Diese intensive Zeit mit meiner Schwester hat mir viel Kraft gegeben und werde ich niemals vergessen.


Und dann hieß es auch schon wieder Vorbereiten auf die Examen. Dieses mal gab es noch etwas mehr Arbeit für uns, da wir die Examen für unsere Klassen selber stellen mussten. Nach vielen Stunden Tippen am Computer musste wir die Examen für alle Schülerinnen kopieren. Da es zwischenzeitlich Probleme mit unsere Kopierer gab, musste wir kurzer Hand zu der weiterführenden Schule rüber laufen und dort um die 2000 Kopien machen. Nachdem alle Examen mehr oder weniger rechtzeitig geschrieben wurden, ging es für uns an das Korrigieren. Die Ergebnisse meiner Stufe waren wieder erschreckend. Nur sehr wenige Schülerinnen habe die Examen bestanden. Das liegt wahrscheinlich an den mangelden Englischkenntnissen . Das Nicht-Bestehen hat in dem Ersten sowie in dem Zweiten Term noch nichts zu bedeuten. Erst die Noten nach den letzten Examen im Juli geben Ausschlag darüber, ob die Schülerin sitzen bleibt oder nicht.


Genau wie am Ende des ersten Terms gab es, nachdem alle Ergebnisse in die Klassenlisten eingetragen wurde, eine Versammlung aller Schülerinnen und LehrerInnen. Hier wurden wieder alle Schülerinnen aufgerufen, die die Examen bestanden haben. Anschließend gab es noch ein Schlusswort vom Schulleiter und die Schülerinnen wurden entlassen in die anstehende zweiwöchigen Osterferien. Danach ging alles wieder sehr schnell und innerhalb von 30 Minuten war die Schule und das Boarding wie leergefegt. Die nächsten zwei Tage waren sehr ruhig, sodass ich mich viel ausruhte und nach mehreren Monaten mal wieder auschlafen konnte. Und dann ging es für mich in meinen nächsten Urlaub. Was ich dort gemacht habe, berichte ich euch beim nächsten mal.


Jetzt bin ich wieder Zuhause und werde die Ostertage hier verbringen. Ich bin schon sehr gespannt, wie mein zweites, großes Fest hier abläuft.


In diesem Sinne wünsche ich euch allen Frohe Ostern und schöne Feiertage!


Bis bald- Tionana!
Eure Paula

 

 

MaZ-Jahr!?

13Feb2019

In diesem Blog möchte ich auf mein MaZ-Jahr eingehen. Manche fragen sich vielleicht:
Was beudeuted MaZ eigentlich? Und was hat das mit meinem Leben hier in Guilleme zu tun?


MaZ ist die Abkürzung für MissionarIn auf Zeit. Das MaZ-Programm gibt Jungen Menschen aus Deutschland die Möglichkeit in einem anderen Land das religiöse Leben mit zu leben. Das Motto heißt deshalb auch: mitleben, mitbeten, mitarbeiten. Die meisten Projekte sind an einen Schwestern-/Brüderorden angeschlossen, so wie bei mir auch. Die Schwestern, die hier in Guilleme leben und für mich verantwortlich sind, gehören zu dem Orden der 'Sisters of Chartity of Ottawa'. Zurzeit leben hier in dem Konvent 5 Ordensschwestern. 2 von ihnen arbeiten im Krankenhaus und 2 arbeiten gemeinsam mit mir in der Guilleme Girls Primary School. Außerdem ist meine hauptverantwortliche Schwester auch verantwortlich für das Boarding, sodass sie häufig auch hier auf dem Boarding-Gelände arbeitet und für Ordnung sorgt. Das Konvent ist nur ca. 1 Minute von unserem Haus entfernt, sodass ich immer die Möglichkeit habe, wenn es Probleme gibt, bei den Schwester und gleichzeitig auch meinen Ansprechpartnerinnen vorbeizuschauen.


Wie lebe ich hier das religiöse Leben mit?


Viele stellen sich ein Leben mit Schwestern sehr fromm und streng religiös vor, indem ich jeden Tag beten muss. Zunächst konnte ich mir auch noch nicht ganz vorstellen, wie es sein wird so nah mit einem Schwesternorden zusammen zu leben. Und als mir dann auch noch gesagt wurde, dass wir 3-mal die Woche zur Kirche gehen, war ich mir nicht sicher wie es für mich sein wird. Jetzt nach 6 Monaten kann ich aber sagen, dass ich mich daran gewöhnt habe und dass ich das Leben sehr nah am Glauben lieben gelernt habe.


Der erste Kirchgang in der Woche ist die Messe mittwochs, die nur für die Boarding-Mädchen ist. Jeden Dienstagnachmittag versammeln sich einige Mädchen auf dem Boarding zum Proben des Chores, weil die Messe musikalisch von den Mädchen geleitet wird. Oft gehe ich dazu und singe mit. Die Messe beginnt morgens um 6 Uhr vor der Schule. Sie geht ca. 30 min und ist komplett auf Chichewa. Die ersten 2 Monate habe ich wirklich gar nichts verstanden. Nach und nach verstehe ich aber immer mehr, besonders auch weil der Ablauf gleich ist zu den Messen in Deutschland. Kleine Gebetsteile, wie das ‚Vater unser‘ und das ‚Ave Maria‘ kann ich sogar schon fast auswendig. Zwei Mal durfte ich schon einen Text auf Chichewa in der Messe vorlesen.


Samstagsmorgens um 6:30 Uhr findet die Englische Messe statt, in der alle SchülerInnen der 3 Schulen aus Guilleme teilnehmen (Guilleme Girls Primary School, Guilleme Boys Primary School und St.Annes Secondary School). Auch hier gibt es einen Chor, der abwechselnd von den 3 Schulen gestaltet wird. Diese Messe genieße ich sehr, da ich noch mehr verstehe und viele Lieder auch mitsingen kann.


Die letzte Messe der Woche findet sonntags um 7 Uhr statt. Dort ist die Kirche komplett voll und alle Menschen aus Guilleme und den umliegenden Dörfern kommen. Die normalen Messen dauern ca. 2 Stunden. Wenn ein größeres Fest ansteht, wie z.B Taufen oder Feiertage, finden diese Messen meistens draußen statt, da in der Kirche nichtgenug Platz für alle Menschen ist. Diese Messen können bis zu 4 Stunden dauern. Da diese auch komplett auf Chichewa sind, fällt es mir gerade hier sehr schwer die ganze Zeit die Aufmerksamkeit zubehalten.


Schon seit meiner ersten Messe hier in Malawi bin ich total begeistert, wie die Menschen ihren Glauben feiern. Da es in jeder Messe einen Chor gibt, ist die Stimmung einfach toll und es ist total normal das man zwischendurch einfach aufsteht und anfängt zu tanzen. Auch bei der Kollekte, die in Deutschland ja eingesammelt wird, geht bzw. tanzt man die Gabe nach vorne. Was mich ebenfalls jeden Mal sehr freut ist, dass die Kirche (besonders sonntags) so voll ist, dass viele Kinder sogar auf dem Boden sitzen müssen. Es gehört einfach dazu und ist selbstverständlich, dass man sonntags in die Kirche geht.


Neben den Kirchengängen spielt der Glaube auch im Alltag eine große Rolle. Oft begegnet man Gebeten, z.B in der täglichen Morning Assembly, vor den wöchentlichen LehrerInnenversammlungen, vor dem Essen oder abends bei den Rundgängen durch die Dorms. Hier wird mir beim Verabschieden auch häufig noch zugerufen: „Dream about Jesus!“ oder „Mulungu akudalitseni“(Gott, segne dich!). Auch vor den Examen haben alle Mädchen ihre Stifte und Blöcke mit in die Kirche gebracht, um diese segnen zu lassen.

Ich finde es sehr schön zu sehen, wie tief der Glaube in den Menschen, besonders auch schon in den Kindern verankert ist und wie stark dieser untereinander verbindet. Gerade daher, dass der Glaube für mich hier jeden Tag präsent ist, habe ich die Gelegenheit mich noch intensiver mit meinem eigenen Glauben auseinanderzusetzen.
So, nun habt ihr einen kleinen Einblick bekommen, wie ich hier mitlebe, mitbete und mitarbeite.


Bis bald!
Eure Paula

Die Kirche hat zwei Seitenschiffe. Hier sieht man das Hauptschiff

Unsere Kirche von außen

Über Weihnachten und meinen ersten Urlaub!

08Jan2019

Khrisimasi yabwino- Frohe Weihnachten wünsche ich euch allen!
Bevor ich auf mein Weihnachtsfest eingehe, möchte ich zunächst von den letzten Wochen des 1. Schul-Terms berichten. In diesen hatten wir LehrerInnen sehr viel zu tun. Direkt nachdem die Examen von Standard 3-8 geschrieben wurden, haben wir diese korrigiert. Dort hat nicht nur jede/r LehrerIn sein eigenes Fach korrigiert, sondern jede/r hat jede/n unterstützt. Sodass ich im Nachhinein fast alle Fächer über Mathe, Englisch, Erdkunde, Bibelkenntnisse und natürlich Expressive Arts korrigiert habe (wobei ich zum Glück von Chichewa verschont geblieben bin). Neben dem manchmal sehr nervenaufreibendem Korrigieren, gab es jeden Tag ein Highlight für mich. Täglich gab es ein 'Kochteam' aus 3-4 Lehrerinnen, welches für das gesamte LehrerInnenkollegium gekocht hat. Zwei Mal durfte ich mithelfen, wobei ich beim Nsimakochen kläglich gescheitert bin. Nsima ist eine Art Maisbrei und das Hauptnahrungsmittel der MalawierInnen. Man bereitet es zu, indem man Wasser kocht und nach und nach Maismehl hinzufügt. Mit einem großen Holzlöffel rührt man so lange, bis eine klebrige,feste Masse entsteht. Das ist nur längst nicht so einfach, wie es sich anhört. Es braucht viel Übung, bis man die richtigen Bewegungen raushat. Vor allem in dem riesigen Topf für Nsima für 25 LehrerInnen ist es nicht einfach alles gut miteinender zu vermengen.


Nach der Woche der Examen und dem Korrigieren, ging es für mich in der letzten Schulwoche an das Erstellen der Punktetabellen. Denn alle Ergenbisse mussten in Stufenlisten eingetragen werden und für jede Schülerin ein 'Schoolreport', also eine Art Zeugnis, erstellt werden. Und schließlich am Donnerstag, den 13.12 wurde der erste Term mit den Verkündigungen der Resultate geschlossen. Die besten drei Schülerinnen jeder Stufe wurden aufgerufen und durften nach vorne kommen, um jedem/r LehrerIn die Hand zu schütteln und anschließend einen Lolli zu bekommen. Zwischen den Verkündigungen haben die Schülerinnen der Standard 8 traditionelle Tänze vorbereitet. Diese haben die etwas angespannte Atmosphäre aufgelockert. Mit Kostümen und Trommeln haben die Schülerinnen eine super 'Show' hingelegt. Die Stimmung während den Aufführungen war einfach unbeschreiblich. Viele Schülerinnen und einige LehrerInnn sind aufgesprungen und haben mitgetanzt. So etwas zu sehen, war für mich total neu, aber hat mich sehr beeindruckt.

Traditionelle Tanz: Ingoma Traditionelle Tanz: Gule wamkulu Bei der Notenvergabe
Als ich nach der Veranstaltung wieder auf das Boarding-Gelände zurück kam, kamen mir schon sehr viele Mädchen mit ihrem Gepäck entgegen. Ihre Familien sind gekommen und haben sie für die 3-wöchigen Weihnachtsferien abgeholt. Und plötzlich war es still auf dem Boarding. Für mich war es ein ganz komisches Gefühl, nun nach 3 Monaten wieder Ruhe vor der Haustür zu haben. Ich hatte mich inzwischen schon daran gewöhnt und war froh, dass noch zumindest die Mädchen aus Standard 8 auf dem Boarding waren. Sie hatten noch eine Woche länger Unterricht.


Bis Weihnachten waren dann noch 10 Tage, in den ich auch wieder viel erlebt habe. Ich besuchten mit den Priestern der Gemeinde das Priesterseminar in Katchebere, nicht weit von Guilleme entfernt. Das Gebäude ist sehr groß und wunderschön und liegt direkt am Fuß eines Berges. Anschließend war ich sogar für wenige Sekunden in Sambia, weil die Grenze nur ca. 45 min von Guilleme entfernt liegt.

Das wunderschöne Priesterseminar in Katchebere
Damit ein wenig Weihnachtsstimmung aufkam, haben ich Weihnachtsplätzchen und Kuchen mit den Schwestern gebacken. Da genau zu dem Zeitpunkt der Strom ausgefallen ist, haben wir veruscht über dem Feuer zu backen,wobei die Plätzchen leider sofort verbrannt sind. Außerdem war ich in der Hauptstadt, um die letzten Einkäufe vor Weihnachten zu erledigen und habe das Weihnachtskleid aus der nächst großen Stadt Mchinji angeholt.


Und plötzlich stand Weihnachten schon vor der Tür! Für mich war die Adventszeit total anders und so richtig in Weihnachtstsimmung bin ich nicht gekommen. Also konnte ich mir auch nicht so recht vorstellen, wie Weihnachten hier sein wird. Am 24.12 habe ich tagsüber das Haus und mein Zimmer aufgeräumt und geputzt. Eine Lehrerin hatte mich mit in die Kirche genommen,um dort für die große Messe am Abend zu schmücken. In diese bin ich dann mit meinem neuen Kleidern gegangen. Neben uns beiden deutschen Freiwilligen lebt hier in Guilleme noch eine amerikanische Freiwillige, die ebenfalls mit uns abends in die Kirche gegangen ist. Diese war gar nicht so voll wie erwartet, aber die Stimmung war einmalig. Vorne am Altar tanzten um die 40 Mädchen, alles war feierlich geschmückt und der Chor hat natürlich nicht gefehlt. Zwischendurch sind die Menschen einfach aufgestanden und haben laut mitgesungen-, getranzt und -geklatscht. Nach 'nur' 2 Stunden war die Messe auf schon vorbei. WIr haben den Schwestern 'Frohe Weihnachten' gewünscht und haben uns auf den Weg nach Hause gemacht. Erin, die amerikanische Freiwillige ist mitgekommen, sodass wir gemeinsam den Abend ausklingen lassen konnten.

Ein kleiner Schnappschuss von Heiligabend in der Kirche. Rechts in Grün der Chor. In der Mitte die Mädchen in ihren weißen Kleidchen.
Am 25.12 musste ich wieder früh aufstehen, weil die nächste Messe um 6 Uhr auf dem Plan stand. Und diese Messe hat meiner Meinung nach die Messe vom Vorabend noch mal übertroffen. Die Kirche war so voll, dass viele Menschen und besonders Kinder sich auf dem Boden setzten mussten. Der Weg nach vorne zum Altar zur Kommunion hat dementsprechend auch länger gedauert, weil man erstmal durch die Menschenmassen durchkommen musste. Für mich war die Atmosphäre etwas sehr besonderes. Zu sehen, wie viele Menschen aus den umliegenden Dörfern gekommen sind, umgemeinsam Weihnachten zu feiern, hat mich sehr beeindruckt und mir ein starkes Gemeinschaftsgefühl gegeben. Natürlich lief Weihnachten hier für mich ganz anders ab als gewohnt und teilweise habe ich schon das Weihnachtsfest in Deutschland vermisst. Aber alles in allem war es wunderschön und ich bin sehr froh diese Erfahrung hier in Guilleme gemacht haben zu dürfen.


Abends wartete noch ein weiteres Highlight auf mich. Wir wurden von den Schwestern zum Abendessen in das Konvent eingeladen. Dort gab es so viel leckeres Essen und auch hier war die Stimmung super, sodass unerwarteteter Weise am Ende sogar getanzt wurde. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht und in diesem Moment habe ich mich wirklich wie Zuhause gefühlt.

Den nächsten Vormittag verbrachten wir bei unseren 2 Mitfreiwilligen Hannah und Philine in Ludzi. Wir haben gemeisam gespielt, gekocht und viele geredet, was mir nochmal mehr das Gefühl von Zuhause gegeben hat. Mittags ging es für mich schon wieder zurück nach Guilleme, denn es stand eine weitere Weihnachtsaktion an. Die Schwestern haben alle Kinder bis 10 Jahre aus Guilleme und den umliegenden Dörfern in das Konvent eingeladen. Zunächst wurde etwas gesungen und kleine Theaterstücke aufgeführt. Anschließend hat jedes Kind ein paar Süßigkeiten und eine Limo bekommen. Beim Verteilen habe ich fleißig mitgeholfen, denn es kamen viel mehr Kinder als erwartet, sodass im Endeffekt ca. 250 Kinder mit einem glücklichem Gesicht nach Hause gegangen sind. Am Abend hieß es für mich dann nur noch packen und ab in den ersten Urlaub!

Kinder im Garten des Konvents Und es wurden immer mehr.. ..und mehr

Früh morgens am 27.12 ging es los. Der erste Stopp hieß Lilongwe, wo Victoria und ich auf unsere Mitfreiwilligen und Mitreisenden Timo und Jonas trafen und noch die letzten Besorgungen machten. Den 2. Bus nahmen wir in Richtung Süden Malawis, genauer gesagt nach Cape Maclear. Dies ist ein wunderschöner Ort, direkt am Lake Malawi(Malawisee). Auch unsere Unterkunft befand sich direkt am Stand. Zudem hatten wir super Wetter, sodass es ein richtiger 'Sommerulaub' wurde. Dieses Gefühl Ende Dezember zu haben, war teilweise schon merkwürdig, aber ich habe es sehr genossen. Wir haben unter anderem eine Bootstour gemacht, waren Schnorcheln und natürlich viel im See schwimmen. Da wir die Sonnen nicht so stark eingeschätzt haben, bekamen wir auch alle erstmal einen Sonnenbrand. Silvester verbrachten wir gemeisam. Und das komplett anders als im kalten Deutschland und zwar mit kurzen Hosen am Strand! Es war traumhaft schön und zwischendurch konnte ich es gar nicht wirklich realisieren, dass nun 2019 ist und ich diesen Jahreswechsel in Malawi verbringen durfte. An dieses Weihnachten und Silvester werde ich mich bestimmt noch lange zurück erinnern!

Der traumhafte Strand direkt vor unserer Unterkunft Beim Sonnenuntergang Bootstour Dort wurde sogar frisch für uns am Strand gekocht
Heute hat der 2. Term begonnen und die Mädchen trudeln nach und nach wieder auf dem Boarding ein. Ich freue mich schon sehr, wenn meine Aufgabe als Lehrein wieder beginnt und ich all 'meine' Mädels wieder sehe.
Ich wünsche euch allen einen wunderbaren Start in das Jahr 2019!


Tionana - Paula


PS: Dieses Jahr komme ich schon wieder;)

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